Joep Beving … und die Zeit hält an. Ohne Worte. Zunächst.

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John Abercrombie, Jazz † 1944-2017

Die Frage, wer gibt noch den Gitarrenton im Jazz vor, ist angebracht. Haben doch allein in diesem Jahr vier der führenden Protagonisten des Genres unsere Welt verlassen, allesamt musikalische Giganten und Erneuerer, stilprägend, innovativ. Larry Coryell (74) im Februar, Chuck Berry (90) im März, Allan Holdsworth (71) im April, Chuck Loeb (62) im July und nun John Abercrombie am 22.08. Wer bleibt? Ralph Towner, John McLaughlin, Pat Metheny, George Benson, Kurt Rosenwinkel, John Scofield? Al di Meola, der sich fast nur noch in der sogenannten World Musik zurechtfindet?

Abercrombie, der akustische und elektrische Gitarre gleichmassen abgehoben im modernen Jazz, im Fusion einsetzte, war immer perfekt: in den zahlreichen Duos, in kleinen Besetzungen, als Trio Gateland mit Jack DeJohnette und Dave Holland, in der Gruppe Baseline. Er war der typische ECM Musiker, lyrisch, einfühlsam, leise und doch so vordergründig. Nachrufe gibt es derzeit so zahlreich, dass ich mich auf die reine Nachricht beschränke und ein, zwei Beispiele dieses großen Musikers, dessen Alben ich seit Timeless gesammelt habe, seinem ersten mit Jack Dejohnette an den Drums und Jan Hammer an den Keyboards im Jahre 1972 bei ECM eingespieltem Album. Es wurden über 40.
Wunderbar das 2011er Album Speak to me, im Duo mit dem Pianisten Marc Copland, mit dem ihn eine eine Zeitspanne von fast 50 Jahren verbunden hat. Wer vermeint, darin den ebenfalls legendären, 2013 verstorbenen Meister Jim Hall herauszuhören, liegt nicht daneben.




Minimal-Ausstattung für das John Abercrombie Regal





Rock`n Roll † – Chuck Berry (90) hat sich auf den Weg gemacht

Ein paar Jahre, bevor mich so um 1963 das Beatfieber packte, hörte ich bereits Chuck Berry. Er war zwar nicht der Erfinder des Rock`n Roll, aber bis in die heutige Zeit einer seiner wichtigsten Entrepreneurs. Ganz sicher war er es, der die Gitarre erstmals an die prominente Position in der populären Musik stellte und aus dem Schattendasein als reines Rhythmusinstrument herausführte. Die Gibson Modelle E 335 /E 355  und E345 (Stereo) blieben zeitlebens seine Werkzeuge. Die großvolumigen Körper passten denn auch perfekt zu dem von ihm ersonnenen „Duck Walk“, seinem Markenzeichen auf der Bühne.

Gibson ES-355 Bigsby 60s

Beatles und Rolling Stones, ja auch die Beach Boys hatten enormen Erfolg mit Berry Kompositionen wie Maybellene, Roll over Beethoven, You never can tell, Sweet little Sixteen, Memphis Tennessee, und natürlich Johnny Be Good. Obwohl Johnny ein begnadeter Gitarrist ist (who never ever learned to read or write so well..but he could play a guitar just like a ringing a bell) , hat Chuck Berry den Song eigentlich dem Pianisten Johnnie Johnson gewidmet, in dessen Band er ab den 1960ern fast 20 Jahre gespielt hat. Die Yardbirds mit dem gerade zum Überflieger propagierten Eric Clapton spielten 1964 Berrys „Too Much Monkey Business“ mit zwei überragenden Gitarrensoli (5 live Yardbirds) und die Rolling Stones verwendeten auf ihren ersten Alben die Lieder Around and Around, Carol, Little Queenie, Come on und Bobby Troups 1946er Komposition Route 66 in der Version von Chuck Berry. Auch Santana borgte sich 1983 Havanna Moon aus. Von den Beatles Interpretationen von Rock`n Roll Music und Roll over Beethoven wissen heutige Jugendliche kaum mehr, daß es Kompositionen und zuvor bereits Hits von Chuck Berry waren.

Der berühmte „Duck Walk“, hier mit einer Gibson ES 345 (Stereo)

Chuck Berrys Rock`n Roll brachte erstmals weiße Jugendliche in die Clubs und Bars, in seine Zuhörerschaft und machte diese Musik ab den ausgehenden 1950ern zu ihrer treibenden Popkultur, abseits vom rein schwarzen Jazz und Blues. Es war tanzfordernde Musik, die „ins Blut ging“. Die Texte haben es in sich und sind nur vordergründig banal. Sie sprachen das Lebensgefühl der Teens and Twens an, befassten sich mit deren Problemen, verpackten den Alltag in eingängige Melodien und Rhythmen.

Chuck Berry hat alle Stilrichtungen der populären Musik beeinflußt und so wird es  auch weiterhin sein.



Just let me hear some of that rock and roll music
Any old way you choose it
It’s got a backbeat, you can’t lose it
Any old time you use it
It’s gotta be rock roll music
If you wanna dance with me
I’ve got no kick against modern jazz
Unless they try to play it too darn fast
And lose the beauty of the melody
Until they sound just like a symphony
That’s why I go for that that rock and roll music
Any old way you choose it
It’s got a backbeat, you can’t lose it
I took my loved one over ‚cross the tracks
So she can hear my man awail a sax
I must admit they have a rockin‘ band
Man, they were blowin‘ like a hurrican‘


Chuck Berry Contributors




Audio Feature | WAR – Latin Funk

In der Blog-Kategorie Audio ersetzen wir ab sofort die wöchentlichen Mixed Tapes durch die neugeschaffene Unter-Kategorie „Audio Feature“, in der wir sporadisch bestimmte Künstler oder Stilrichtungen dauerhaft vorstellen. Die Mixed Tapes des vergangenen Jahres sind unverändert hörbar, die Reihe wird aber nicht fortgesetzt. Damit gliedert sich die Kategorie Audio wie folgend:

  1. Album der Woche – Wechsel jeden Sonntag
  2. Album des Monats – Wechsel zum jeweiligen Monatsende
  3. Audio Feature – sporadisch
  4. Schellack Souvenirs – sporadisch
  5. Musik & Technik – sporadisch

Das erste Audio Feature behandelt die in den Jahren 1970 bis 1977 sehr erfolgreiche kalifornische Latin-Funk Formation WAR.


In der populären Musik gibt es immer wieder Musiker, die einzigartig sind. Repertoire, Performance, künstlerisches Können sind die herausragenden Merkmale.  Je nach Gattung unter vielen anderen zu nennen Oregon, Al DiMeola, Supertramp, Santana,  Little Feat,  Knopfler, Clapton, Beck und Peter Green und ….. die kalifornische Latin-Funk Combo WAR. Ihre in den Jahren 1971 bis 1977 veröffentlichten  6 Alben sind Paradebeispiele für eine in der Zeit exemplarische Hochleistung einer Band mit der Stilbreite von Latin Jazz/Funk/Rock, die bis heute unerreicht ist, auch wenn es mit ähnlicher Fusion-Ausrichtung Gruppen wie Blood, Sweeat & Tears, Return to Forever oder Wheather Report gab. Und Soft Machine, Brand X, Gong oder Nova mit Phil Collins in Europa.

WAR – die Music Band.

Dieses Prädikat haben sich die Musiker durch legendäre Konzerte verdient. Es waren musikalische Happenings mit erstaunlicher, durchgängiger Rhythmusbasis. Auf- und abschwellend auf der Zeitschiene des jeweiligen Stückes. WAR sind bis auf den stilweisenden (dänischen) Mundharmonikaspieler Lee Oskar (Oskar Levetin Hansen) weniger Solisten als unfassbar gut harmonierende Teamplayer. Nach den meisten Stücken verbleibt man vielfach ein wenig atemlos zurück ob der rasanten, dann wieder verlangsamten Berg- und Talfahrt der Stücke. Es sind keine 2 Minuten Hitparadenkracher, in dieser Zeit haben sich nicht einmal Drums und Percussion sortiert, geschweige denn der Bass eingeklinkt. WAR hatte mehr Hits, als man gemeinhin vermutet, diese habe ich am Ende dieses Artikel noch einmal in den Studiofassungen hörbar gemacht. Eines sei noch erwähnt, da es sehr oft falsch kolportiert wird. Bevor WAR als eigenständige Combo durchstartete, waren sie 1970 für 2 Alben erst einmal die Begleitung von Eric Burdon und als Band, die sich dann aus den zwei L.A. Formationen Night Shift und Creation bildete, nur als lokale Größe bekannt.

Quelle: aus Album „All Day Music“

Was WAR ausmachte, erfuhr man in den Konzerten, von denen ich zwei erlebte. Eingefangen ist die Live-Präsenz auf dem 1973er Doppelalbum „WAR Live“,  aufgezeichnet während vier Konzerte im High Chapparral Club in Chicago, veröffentlicht 1973. Das Album verkaufte sich über 1,5 Millionen mal.  Lehnen Sie sich zurück und geniessen sie eine Zeitreise zu einer Band, bei der handgemachte Musik bei aller musikalischer Perfektion, bei Groove und Soul,  schlichtweg aufregend war. Meine Favoriten sind Slipping into Darkness – mit einem der schönsten Mundharmonika-Intros überhaupt, Ballero und natürlich The Cisco Kid.

WAR – Live – 1973, Doppelalbum

Quelle: Album Cover

Original Besetzung

  • Howard E. Scott – guitar, lead vocals
  • Lee Oskar – harmonica and vocals
  • Thomas „Papa Dee“ Allen – percussion and vocals – verstorben 1988
  • Charles Miller: saxophone and vocals – verstorben 1980
  • B.B. Dickerson – bass and vocals
  • Leroy „Lonnie“ Jordan – keyboards, vocals
  • Harold Ray Brown – drums and vocals

 

WAR – Hit Alben

1971 bis 1977

Auszug

 

Bitte beachten

Eric Burdon & WAR ist in diesem Feature bewußt unberücksichtigt gelassen, da sich die zwei Originalalben stilistisch von der hier vorgestellten Formation unterscheiden.

Lee Oskar

Er bildete mit seinem außergewöhnlichen laid-back Mundharmonikaspiel zusammen mit dem Saxophon und der Flöte von Charles Miller (†1980, ermordet) die Horn Section von WAR. Er ist ein Einwanderer aus Dänemark, der zunächst als Straßenmusiker aufgetreten ist und dann neben der phantastischen Rhythmusgruppe innerhalb der Band sein Instrument zu einem der Erkennungsmerkmale von WAR eingebracht hat. In den 1980er Jahren begann er eine bis heute erfolgfreiche Mundharmonikaproduktion, die dem Marktführer Hohner erhebliche Konkurrenz bereitet. Ich benutze die Lee Oskar Major Diatonic Harps (neben meinen Tony Ramos Hohners oder den Hohner XB40).

Lee Oskar hat einige nicht besonders inspirierte Solo Alben veröffentlicht, von denen mir einzig das folgende The Journey aus dem Jahre 1976 sehr gut gefällt und das ich immer wieder mal auflege. Lee Oskar stellt aus auf der Frankfurter Musikmesse und der NAMM Show in Anaheim und da kann man ihn ab und zu hören und ein wenig mit ihm fachsimpeln, stets eine schöne Abwechslung im Gitarren-Einerleigedödel auf anderen Ausstellungsständen.








Seasick Steve – sag mir, wo die Blueser sind

Über den Blues, die alten und die sogenannten kontemplativen Protagonisten, ist alles gesagt, alles geschrieben und alles nachzulesen. Sicher, der Blues ist unbestritten die Grundlage für fast alle Musikstilrichtungen ab dem 19. Jahrhundert und ohne ihn gäbe es wohl keine nennenswerte populäre Musik. Bar der sozialen und  menschenrechtlichen Situation, in der sich die „Gründerväter“ befunden haben, hat sich der Blues heute in eine Komfortzone verwandelt, hat die reine Lehre vergessen. Sie ist heute ohnehin gegenstandslos, außerdem verlassen die Alten unseren Planeten, wenn sie es nicht längst getan haben.

Zurück bleiben viele Alibi-Blueser, die – sobald sich Erfolg einstellt- eine weichgespühlte Bluesart spielen oder sich zu Allroundern gewandelt haben, wie die Überflieger Joe Bonamassa und Robert Cray. Eric Clapton, sicherlich der beste Musiker von allen, hat mittlerweile den Blues ebenfalls glattgebügelt und somit zu Tode geritten, Kenny Wayne Shepherd und Jonny Lang mutierten zu  hervorragenden …… Rock`n Rollern. Die vielbemühten Robert Johnson und Muddy Waters sind vom heutigen Geschehen um den Blues weiter entfernt als Pink Floyd von Andrè Rieu und Fleetwood Mac mag gerade mal als traurigstes Beispiel für den EU-Ableger des Blues taugen. Es stellt sich die Frage, ob man den Blues nicht nur aus dem historischen Blickwinkel angehen sollte, um der bluesigen Langeweile auf den Plattentellern zu entkommen.

Wäre da nicht -unter wenigen anderen Musikern-  Steve Wold, besser bekannt als Seasick Steve. Der 75 jährige spätberufenene Kalifornier machte erst 2004 im Alter von knappen 60 mit dem Album Cheap auf sich aufmerksam. Irgendwie geriet er 2006 an Jools Holland und dessen populäre BBC live-Show „Later with Jools“. Und ab da ging die Post ab.

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Von Xenus – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=7026097

Seasick Steve ist vielleicht der letzte wahre „Blueser“. Gefühlte 100 Jahre als echter Hobo auf der Strasse unterwegs, ein teils kurioses Sammelsurium an selbstgebastelten Instrumenten, der legendäre Fender Tweed , so bedient er ungewollt das Klischee. Aber da steckt mehr dahinter, denn Steve ist ein schnörkelloser Erzähler, für den die sparsame Musik nur Transporter ist. Und was ein rastloser Wanderer zu erzählen weiß, kann auf mittlerweile 8 veröffentlichen Alben nachgehört werden. Auch wenn er niemals eine Chance auf den Literatur-Nobelpreis wie der alters-flegelhafte Robert Zimmermann – der ihn bestimmt nicht vedient –  haben wird, dazu sind die Texte zu wenig intellektuell oder haben zu wenig feine Lyrik. Tiefgang haben sie allemal.

 

Analog ist alles aufgenommen, rauh, erdig, rotzig, simple Soundstrukturen, die aber unter die Haut gehen. Das sind keine Masterpressungen oder SACD Disks, das ist Musik.

Das ich so etwas noch mal antreffe, toll …….. und nun das aktuelle Album Keepin’ the Horse Between Me and the Ground, veröffentlicht in diesem Jahr.






Didier Squiban | Töne aus Argoat und Armor

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Bubez hir c`hoaz d`ar yez koz!

Der Bretone liebt die Bretagne … und das Meer. Kommt noch ein Piano hinzu, wird es schon ein wenig spezieller, denn hierbei handelt es sich nicht um ein typisch keltisches Instrument. Wenn dann trotzdem die der keltischen Musik eigene Mystik, Erdverbundenheit, Vernebelung und emotionelle Aufladung stattfindet, wird es gar außergewöhnlich. Und man ist bei Didier Squiban angelangt.

Seit über 30 Jahren fahre ich in die Bretagne, mal für wenige Tage, mal für einen ganzen Urlaub. Alle Jahreszeiten habe ich erlebt, bin selbst im November bei Golfstrom-gewärmten 20 Grad Luft und strahlendblauem Himmel gesegelt. Niemand, der Geschichte und Kultur dieses Landstrichs in sich aufgenommen hat, kann sich der Wirkung entziehen. So geht es mir, wenn ich die Alben des mittlerweile über 50-jährigen Komponisten und Pianisten Didier Squiban höre, der mit seinen Werken zwischen Tradition, modernem Jazz und gefälligem Mainstream wandelt. Locker und unangestrengt, so daß ich mich immer vor der Küste Armors oder in Broceliande in Argoat wähne, umgeben von Dolmen, Menhiren und langen Allees Couverts.

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Ploubazlanec – morgens um Acht

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Ploumanach

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Plougrescant -Côte Granit Rose, La Maison du Gouffre

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Aus den Werken Didier Squibans empfehle ich drei Solopiano-Alben: Molène (1997, von dieser Insel stammen seine Vorfahren, die CD ist auch dort eingespielt worden), Porz Gwenn (2000) und Rozbras (2001).


Empfehlung: Terrassentür weit geöffnet (natürlich auch im Winter), ein bis zwei, drei Flaschen Cidre Brut und dazu einen Epikur Plug geraucht. Damit müßte sich eine gewisse bretonische Stimmung einfinden. Und der passende Roman – Der keltische Ring – ist hier beschrieben






Fourplay | das leichte Heavy Weight

Wenn eine Formation das 25. Jahr ihres Bestehens feiern kann und darüber hinaus als eine der perfektesten im temporären Jazz gilt, dann zählt sie zweifellos zu den musikalischen Schwergewichten. Zeichnet sich das gesamte Repertoire, derzeit auf über 14 Alben veröffentlicht, durch eine sagenhafte Leichtigkeit aus, dann sprechen wir von Fourplay. Die Musiker befinden sich nicht in der Anonymität eines Quartetts, vielmehr sind es namhafte, fantastische Solisten, die viele ihrer Meriten auch außerhalb des contemplativen Combo Jazz verdient haben. Die Besetzung ist vertrauensbildend seit der Gründung nahezu gleich geblieben. Änderungen gab es lediglich dreimal bei der Gitarre. Heute ist es der außergewöhnliche Chuck Loeb, der seit 2010 Teil von Fourplay ist. Die beiden früheren Guitarristen, Lee Ritenour (bis 1997) und Larry Coryell (bis 2010), sind dem Quratett unverändert verbunden und auf der Jubiläums CD Silver (2015) vertreten.

Keyboarder, Arrangeur und Produzent  Bob James (77) gilt als der Protagonist des smooth Jazz, für den Fourplay steht. Die ausgefeilten, präzisen Rhythmusstrukturen sind das teamwork der beiden gleichermaßen kongenialen Harvey Mason (69, Drums) und Nathan East (61, Bass), den Part der Gitarrenarbeit hat in der Nachfolge von Larry Coryell seit 2010 Chuck Loeb  (61) übernommen. Schaut man sich die Vitae der Künstler an und zieht insbesondere ihre Ausflüge in andere Musikrichtungen ins Kalkül, dann wird verständlich, wie eine solch faszinierende Perfektion, basierend auf durchgängig atemberaubenden Arrangements und einer Spielleidenschaft der Extraklasse, entstehen kann. Die Live Auftritte des Quartetts sind stets ein beeindruckendes Erlebnis, beispielhaft das folgende Konzert auf dem Tokio Jazz Festival aus dem Jahre 2013:

 

Ein erneuter Meilenstein ist das 2015 erschienene Album „Silver“. Wiederum sei herausgehoben, das die Spielfreude und die Perfektion, mit der die einzelnen Stimmen gespielt werden, einzigartig sind. Dem Hörer, der diese Stilrichtung (en) nicht alltäglich hört, wird sich die Feinheit der Strukturen, der Aufbau der Arrangements und der Anteil der Soloparts der einzelnen Instrumente, die dann wieder ins das Gesamtbild einfliessen,  vielleicht nicht auf Anhieb erschliessen. Der Eindruck mag entstehen, es würde ein sogenanntes easy listening geboten, was ja auch nicht immer ein schlechter Hörgenuß sein muß. Aber ein erneutes Einsteigen wirkt Wunder und ich empfehle, dieses Album nicht zu Beginn als Hintergrundmusik beim Zeitungslesen aufzulegen, sondern ihm die direkte Aufmerksamkeit zu widmen, die es erst zum Hörerlebnis werden läßt. Verstärkt wird das Quartett unter anderem vom Saxophonisten Kirk Whalum, der mit zum tollen Groove beiträgt. Elegant, abwechslungsreich und mit  technischer Brillanz bringt uns Fourplay in eine „contemplative“ Stimmung.  Hier beim Titel Silverado nachgewiesen.

Discographie 1991 -2016

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Fourplay 1991 · Between the sheets 1993 · Elixir 1995 · Four 1998

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Snowbound 1999 · Yes, Please 2000 · Heartfelt 2002 · Journey 2004

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X 2006 · Let`s touch the sky 2010 · Esprit de four 2012 · Silver 2015


Die Musiker haben in ihrer langen Karriere u.a. mitgewirkt:

Bob James ∑    Grover Washington, David Sanborn, Earl Klugh, Stanley Turrentine …….

Nathan East ∑     Barry White, Lionel Richie, Whitney Houston, Al Jarreau, Eric Clapton, Mark Knopfler, Kenny Loggins, Phil Collins, Joe Cocker, George Harrison, Babyface, Eros Ramazzotti, Daft Punk, Herbie Hancock, Toto, Michael Jackson …….

Harvey Mason ∑    Liste der Künstler, mit denen Harvey Mason gespielt hat





La Folia Barockorchester | il quattro stagione

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Gut – jetzt werden einige Leser den Kopf schütteln: schon wieder mal Vivaldi`s 4 Jahreszeiten? Wo es doch gefühlte 1 Millionen Interpretationen gibt, von denen zwar die meisten vermutlich in das musikalische Abseits gehören, aber sich dennoch in Kaufhäusern, Aufzügen, Schönheitssalons und Sonnenstudios schamlos verbreiten. Die Menschheit kennt sie, die tatsächlich unüberschaubare Anzahl von Pressungen oder besser, hat sie oft gehört. Aber wirklich begriffen? Nun spricht ja nichts dagegen, dass vielfach klassische Kompositionen, meistens aus dem Barock, verschlagert werden, wenn´s denn gefällt. Manchmal denke ich so still vor mich hin: ja, Vanessa Mae sieht aufregend aus und Andre Rieu hat Spaß an seinem Mozart und Vivaldi, aber müssen sie unbedingt die Violine zur Hand nehmen? Und wenn ja, warum begegnen Sie mir dann immer wieder?

Ursprünglich hatte Vivaldi seine unter Opus 8 angelegten 12 Konzerte unter dem Titel Wagnis der Harmonie und Empfindung zusammengefaßt und die vier 3-sätzigen Einzelkonzerte, die heute als die Vier Jahreszeiten so populär sind, waren eben nur vier Konzerte unter mehreren. Die anderen von Opus 8, darunter die ebenfalls sehr bekannten La tempesta di mare, Il piacere und La caccia fügen sich thematisch passend in die Jahreszeiten ein. Obwohl es -wie diese- Einzelkonzerte sind.

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I Musici unter Roberto Michelucci (1922-2010)

Im reifen Alter von so um die 19 lernte ich die Jahreszeiten kennen. I Musici unter Roberto Michelucci öffneten meine Sinne für diese Kompositionen. Die Aufnahme besitze ich heute noch. Allerdings sind meine Favoriten mittlerweile Carmignola, gefolgt von den Trondheim Soloists mit Frau Mutter. Auch Nigel Kennedy gefällt mir immer noch sehr gut, mit seiner 1989er Einspielung mit den Berliner Philharmonikern. Das ich nun auf eine neue Aufnahme aufmerksam wurde, die mich schier „vom Hocker haut“ und die ich so sensationell finde wie seinerzeit die 1999er von Carmignola und dem Venice Baroque Orchestra unter Andrea Marcon, hätte ich nicht mehr vemutet.

Allerdings bin ich nicht der Entdecker, nein. Ein lieber Freund, mit dem mich nicht nur die ewige Suche nach der perfekten audiophilen Einspielung verbindet, sondern auch der gepflegte Gebrauch von Pfeife und Tabak, von edlen Weinen & Spirituosen, von landläufigen Bieren und was sonst noch zu einer schönen Lebensart gehört, sendete mir die Information.

Da es sich nicht um ein Streaming Format, sondern um eine Super Audi CD (SCAD) handelt, genauer: eine Super-Audio-CD Hybrid: SACD Stereo + 4.0 Surround + CD-Layer, mußte ich warten, bis diese bei mir eingetroffen war. Die Vorfreude groß und der Postbote sehnlichst erwartet. Das ist schon eine andere Qualität von Genuß, wenn nicht alles gleich per download zur Verfügung steht. Zum Glück gibt es so tolle Studios und Produzenten wie die von Stockfisch-Records aus dem niedersächsischen Northeim. Die zeichnen nämlich verantwortlich für die im März 2015 veröffentlichte SACD vom La Folia Barockorchester unter dem Gründer und Solo Geiger Peter Robin Müller. Und hier das making of…..

Abgesehen von der herausragenden Aufnahme und Pressung ist die Neufassung als zeitgenössische Version schon etwas Faszinierendes. Sie steht ab sofort für mich gleichbedeutend mit der gänzlich anders ausgelegten Carmignola Fassung.

SACD Hybrid (03.2015)
Anzahl Disks/Tonträger: 1
Label: Stockfisch Records
Amazon ca. 23,99€ Prime
Stockfisch Shop: 17,50 + Versand
itunes: n.a.

 

zum DMM-CD Verfahren





Elvira Nikolaisen – jazziges Norwegen

Verträumten easy listening Jazz an einem warmen Sommerabend verorten wohl nur eiserne Hurtigruten Freunde, Rentiere und Elche in Norwegen. Und dennoch hat uns ja bereits Beate Lesch mit Beady Belle überzeugen können, daß es funktioniert. Elvira Nikolaisen, ebenfalls Norwegerin, bisher eher ein wenig poplastig unterwegs, hat sich für das immerhin schon 2013 erschienene letzte ihrer Alben einen Landsmann, den  Multiinstrumentalisten Mathias Eick als Partner geholt, der im Jazz und Rock gleichermaßen bewandert ist. Und so sind denn die Themen eindeutig dem Stil des Jazz gewidmet, den der geneigte Hörer gerne zum Ausklang eines arbeitsreichen Tages  genießt. Mit einem Glas Roten oder einem Murray MacDavid. Sehr gut kommt aber auch dieses Trio hier:

1989er Highland Park, eine Bang von 1976 und McClellands Blackwoods Flake – eine gelungene ménage à trois …

 

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Quite Exit · Indian Summer · Lighthouse

 

Es ist das vierte Album von Elivra Nikolaisen und wenn das auf ihre zukünftige Entwicklung hinweist, ein besonders gutes.

 

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I Concentrate On You  enthält Standards aus dem so oft heruntergeleierten, sogenannten modernen American Songbook. An dem haben sich schon einige sehr untauglich versucht: Rod Stewart, der besonders schmerzlich daneben gegriffen hat, aber auch Robbie Williams und in Deutschland Roger Cicero, der das nun leider nicht mehr revidieren kann. Zehn wundervolle, ruhige Lieder, die erzählen. Lieder, mit denen die Sängerin in ihrem musikalischen Elternhaus aufgewachsen ist und die scheinbar ein Teil von ihr geworden sind. Kongenial arrangiert und begleitet von Mathias Eick. Das Duo schafft eine Atmosphäre, die von sehr eigener Energie lebt. Und den aufmerksamen Hörer mitnimmt. Je besser das Abhörequipment, umso überzeugender. Denn die Aufnahme genügt den Ansprüchen von  Audiophilen, sowohl was die Aufnahmetechnik, die Mischung und die Pressung betrifft. Wer nun aufgrund von Cover und Inhalt auf ECM getippt hätte, liegt falsch, aber es hätte gut dieses Label sein können. Hören wir nun den Titelsong, live dargebracht mit schönen Ansichten.

 

Elvira Nikolaisen & Mathias Eick
I Concentrate On You
CD
Label: Grappa, 2013
Bestellnummer: 3815310
Erscheinungstermin: 13.11.2013
I Concentrate On You (180g) (Limited Edition) (LP + CD)
Label: Grappa, 2013
Bestellnummer: 5147632
Erscheinungstermin: 2.5.2014





Sophie Milman | schön und sanft

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Sie singt im Stile ihrer Vorbilder Ella Fitzgerald, Mahalia Jackson, Peggy Lee und Sarah Vaughan, bekennt sich aber auch zu Einflüßen von Diana Krall und Stevie Wonder. Ohne je ins Seichte oder in einen weichgespülten Allerwelts-Pop abzugleiten, wie es seit ein paar Veröffentlichungen Norah Jones zu tun pflegt, singt Sophie Milman, etwas über 30-jährige Kanadierin mit russischen Wurzeln, wundervollen Bar- und Pianojazz in klassischer Jazzcombo-Manier. Es swingt in jedem Stück derart wohltuend, dass man öfter mal von der Pfeife abläßt und sich gedankenverloren in das Glas Single Malt vertieft, zu dem dringend zur Ergänzung des Hörgenusses geraten wird.

Statt nun nach Rezensenten-Art ins Geschwurble zu wechseln, überlasse ich es dieser Sängerin, Sie angenehm einzustimmen. Am besten auf einen ruhigen, „sophisticated“ Abend, den Sie  ohne das blödsinnige TV verbringen können. Gesellschaft braucht man nicht unbedingt dazu, sie könnte vielleicht zu viel Einfluß auf die Stimmung nehmen. Das Trio Pfeife, Tabak und Single Malt bedarf bei dieser Unterhaltung keine Unterstützung. Obwohl: ich habe um Mitternacht mal wieder meine Hausjacke hervorgeholt, einen Seidenschal umgelegt ……. und gehofft, dass meine Töchter nicht aufwachen und fragen, was denn los sei, so mitten in der Woche, um diese Uhrzeit. Wink

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Take Love Easy – 2009
Piano: Paul Shrofel
Guitar: Rob Piltch
Bass Kieran Overs
Drums: Mark McLean.
Alto Saxophon: Wessell “Warmdaddy” Anderson
Trumpet, Flügelhorn: Guido Basso
Vibraphone: Michael Davidson

[play] Beautiful Love



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In the Moonlight – 2011
Piano: Alan Broadbent, Gerald Clayton, Kevin Hays
Akkordeon: Gil Goldstein
Sax: Chris Potter
Drums: Lewis Nash
Bass: Larry Grenadier
Guitar: Julian Lage

 
[play] Ces Petits Riens