TEN YEARS AFTER – seit 45 Jahren alles gesagt

Es muß der schnöde Mammon sein, nicht der musikalische Antrieb oder die Berufung. Die Unart, eine einst erfolgreiche Formation nach dem Weggang oder Ableben eines oder mehrerer Protagonisten Jahre später wieder aufleben zu lassen. Die Beispiele sind Legion. Besonders schmerzlich zu beobachten ist das bei der früheren Weltklasseband Wishbone Ash, von denen nur noch Gründer Andy Powell mitwirkt und deren frühere Magie seit Jahrzehnten einfach verflogen ist und die nicht nur unermüdlich alle Volksfeste von hier bis Hammerfest betouren, sondern dauernd neuen Schrott veröffentlichen. Deep Purple (was sind sie ohne Jon Lord und Ritchie Blackmore. Alles, nur nicht Deep Purple, gerade wegen Steve Morse und Don Airey), The Doors ohne Jim Morrison, zum Glück längst ebenso vergangen wie Bad Company ohne Paul Rodgers nach 1982. Und nun bringt sich eine völlig aus der Spur laufende Ten Years After plötzlich wieder ins Spiel. Die Band hätte sich nach dem Ausscheiden von Alvin Lee im Jahre 1975 auflösen sollen, statt jetzt nach unzähligen Umbesetzungen mit einer neuer Formation irgendein 50jähriges Jubiläum zu feiern.

A Sting in the Tale – ein ohrenschädigendes Desaster. Da hilft auch kein Weltklasse Bassist wie Colin Hodgkinson, um die zwei Ur-TYA Ric Lee und Chick Churchill zu unterstützen. Gitarrist und Sänger Bonfanti macht alles zunichte. Hätten sie 1972 nach Rock`n Roll Music to the World, dem 1973 veröffentlichten Recorded Live und acht vorausgegangenen Top Alben einfach aufgehört, sie wären „groß“ geblieben.

Es war einmal …

Frontmann und stilbildender Gitarrist: Alvin Lee († 06.03.2013) mit seiner legendären Gibson ES-335.

 



 

Es gibt eine Parallele zu unserer Tabakwelt. Wieviele Neuauflagen ehemals renommierter, dann legenden-umtoster Tabake mit neuen, untauglichen Inhalten hat es schon gegeben? Und denke ich an die vor dem „Aus“ stehenden Dunhill – und McClelland Tabake, den Esotericas, Three Nuns, Bankers:  ein ebensolches Trauerspiel wie das musikalische.

 

Meister des mystischen britischen Folk Rock und zeitgleich mit den Allman Brothers „Erfinder“ des Dual-Lead Tones: Wishbone Ash, nennens- und hörenswert von 1970 bis 1974 mit den Alben

Ausnahme Gitarristen bis heute: Andy Powell, Ted Turner und später Laurie Wisefield


Ein wenig auch für den überzeugten Dachauer Nichtraucher Hans R., der heute gleichsam ein JUBELLUM feiern kann !




Joep Beving … und die Zeit hält an. Ohne Worte. Zunächst.

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zum Album des Monats

 




John Abercrombie, Jazz † 1944-2017

Die Frage, wer gibt noch den Gitarrenton im Jazz vor, ist angebracht. Haben doch allein in diesem Jahr vier der führenden Protagonisten des Genres unsere Welt verlassen, allesamt musikalische Giganten und Erneuerer, stilprägend, innovativ. Larry Coryell (74) im Februar, Chuck Berry (90) im März, Allan Holdsworth (71) im April, Chuck Loeb (62) im July und nun John Abercrombie am 22.08. Wer bleibt? Ralph Towner, John McLaughlin, Pat Metheny, George Benson, Kurt Rosenwinkel, John Scofield? Al di Meola, der sich fast nur noch in der sogenannten World Musik zurechtfindet?

Abercrombie, der akustische und elektrische Gitarre gleichmassen abgehoben im modernen Jazz, im Fusion einsetzte, war immer perfekt: in den zahlreichen Duos, in kleinen Besetzungen, als Trio Gateland mit Jack DeJohnette und Dave Holland, in der Gruppe Baseline. Er war der typische ECM Musiker, lyrisch, einfühlsam, leise und doch so vordergründig. Nachrufe gibt es derzeit so zahlreich, dass ich mich auf die reine Nachricht beschränke und ein, zwei Beispiele dieses großen Musikers, dessen Alben ich seit Timeless gesammelt habe, seinem ersten mit Jack Dejohnette an den Drums und Jan Hammer an den Keyboards im Jahre 1972 bei ECM eingespieltem Album. Es wurden über 40.
Wunderbar das 2011er Album Speak to me, im Duo mit dem Pianisten Marc Copland, mit dem ihn eine eine Zeitspanne von fast 50 Jahren verbunden hat. Wer vermeint, darin den ebenfalls legendären, 2013 verstorbenen Meister Jim Hall herauszuhören, liegt nicht daneben.




Minimal-Ausstattung für das John Abercrombie Regal





Rock`n Roll † – Chuck Berry (90) hat sich auf den Weg gemacht

Ein paar Jahre, bevor mich so um 1963 das Beatfieber packte, hörte ich bereits Chuck Berry. Er war zwar nicht der Erfinder des Rock`n Roll, aber bis in die heutige Zeit einer seiner wichtigsten Entrepreneurs. Ganz sicher war er es, der die Gitarre erstmals an die prominente Position in der populären Musik stellte und aus dem Schattendasein als reines Rhythmusinstrument herausführte. Die Gibson Modelle E 335 /E 355  und E345 (Stereo) blieben zeitlebens seine Werkzeuge. Die großvolumigen Körper passten denn auch perfekt zu dem von ihm ersonnenen „Duck Walk“, seinem Markenzeichen auf der Bühne.

Gibson ES-355 Bigsby 60s

Beatles und Rolling Stones, ja auch die Beach Boys hatten enormen Erfolg mit Berry Kompositionen wie Maybellene, Roll over Beethoven, You never can tell, Sweet little Sixteen, Memphis Tennessee, und natürlich Johnny Be Good. Obwohl Johnny ein begnadeter Gitarrist ist (who never ever learned to read or write so well..but he could play a guitar just like a ringing a bell) , hat Chuck Berry den Song eigentlich dem Pianisten Johnnie Johnson gewidmet, in dessen Band er ab den 1960ern fast 20 Jahre gespielt hat. Die Yardbirds mit dem gerade zum Überflieger propagierten Eric Clapton spielten 1964 Berrys „Too Much Monkey Business“ mit zwei überragenden Gitarrensoli (5 live Yardbirds) und die Rolling Stones verwendeten auf ihren ersten Alben die Lieder Around and Around, Carol, Little Queenie, Come on und Bobby Troups 1946er Komposition Route 66 in der Version von Chuck Berry. Auch Santana borgte sich 1983 Havanna Moon aus. Von den Beatles Interpretationen von Rock`n Roll Music und Roll over Beethoven wissen heutige Jugendliche kaum mehr, daß es Kompositionen und zuvor bereits Hits von Chuck Berry waren.

Der berühmte „Duck Walk“, hier mit einer Gibson ES 345 (Stereo)

Chuck Berrys Rock`n Roll brachte erstmals weiße Jugendliche in die Clubs und Bars, in seine Zuhörerschaft und machte diese Musik ab den ausgehenden 1950ern zu ihrer treibenden Popkultur, abseits vom rein schwarzen Jazz und Blues. Es war tanzfordernde Musik, die „ins Blut ging“. Die Texte haben es in sich und sind nur vordergründig banal. Sie sprachen das Lebensgefühl der Teens and Twens an, befassten sich mit deren Problemen, verpackten den Alltag in eingängige Melodien und Rhythmen.

Chuck Berry hat alle Stilrichtungen der populären Musik beeinflußt und so wird es  auch weiterhin sein.



Just let me hear some of that rock and roll music
Any old way you choose it
It’s got a backbeat, you can’t lose it
Any old time you use it
It’s gotta be rock roll music
If you wanna dance with me
I’ve got no kick against modern jazz
Unless they try to play it too darn fast
And lose the beauty of the melody
Until they sound just like a symphony
That’s why I go for that that rock and roll music
Any old way you choose it
It’s got a backbeat, you can’t lose it
I took my loved one over ‚cross the tracks
So she can hear my man awail a sax
I must admit they have a rockin‘ band
Man, they were blowin‘ like a hurrican‘


Chuck Berry Contributors




Audio Feature | WAR – Latin Funk

In der Blog-Kategorie Audio ersetzen wir ab sofort die wöchentlichen Mixed Tapes durch die neugeschaffene Unter-Kategorie „Audio Feature“, in der wir sporadisch bestimmte Künstler oder Stilrichtungen dauerhaft vorstellen. Die Mixed Tapes des vergangenen Jahres sind unverändert hörbar, die Reihe wird aber nicht fortgesetzt. Damit gliedert sich die Kategorie Audio wie folgend:

  1. Album der Woche – Wechsel jeden Sonntag
  2. Album des Monats – Wechsel zum jeweiligen Monatsende
  3. Audio Feature – sporadisch
  4. Schellack Souvenirs – sporadisch
  5. Musik & Technik – sporadisch

Das erste Audio Feature behandelt die in den Jahren 1970 bis 1977 sehr erfolgreiche kalifornische Latin-Funk Formation WAR.


In der populären Musik gibt es immer wieder Musiker, die einzigartig sind. Repertoire, Performance, künstlerisches Können sind die herausragenden Merkmale.  Je nach Gattung unter vielen anderen zu nennen Oregon, Al DiMeola, Supertramp, Santana,  Little Feat,  Knopfler, Clapton, Beck und Peter Green und ….. die kalifornische Latin-Funk Combo WAR. Ihre in den Jahren 1971 bis 1977 veröffentlichten  6 Alben sind Paradebeispiele für eine in der Zeit exemplarische Hochleistung einer Band mit der Stilbreite von Latin Jazz/Funk/Rock, die bis heute unerreicht ist, auch wenn es mit ähnlicher Fusion-Ausrichtung Gruppen wie Blood, Sweeat & Tears, Return to Forever oder Wheather Report gab. Und Soft Machine, Brand X, Gong oder Nova mit Phil Collins in Europa.

WAR – die Music Band.

Dieses Prädikat haben sich die Musiker durch legendäre Konzerte verdient. Es waren musikalische Happenings mit erstaunlicher, durchgängiger Rhythmusbasis. Auf- und abschwellend auf der Zeitschiene des jeweiligen Stückes. WAR sind bis auf den stilweisenden (dänischen) Mundharmonikaspieler Lee Oskar (Oskar Levetin Hansen) weniger Solisten als unfassbar gut harmonierende Teamplayer. Nach den meisten Stücken verbleibt man vielfach ein wenig atemlos zurück ob der rasanten, dann wieder verlangsamten Berg- und Talfahrt der Stücke. Es sind keine 2 Minuten Hitparadenkracher, in dieser Zeit haben sich nicht einmal Drums und Percussion sortiert, geschweige denn der Bass eingeklinkt. WAR hatte mehr Hits, als man gemeinhin vermutet, diese habe ich am Ende dieses Artikel noch einmal in den Studiofassungen hörbar gemacht. Eines sei noch erwähnt, da es sehr oft falsch kolportiert wird. Bevor WAR als eigenständige Combo durchstartete, waren sie 1970 für 2 Alben erst einmal die Begleitung von Eric Burdon und als Band, die sich dann aus den zwei L.A. Formationen Night Shift und Creation bildete, nur als lokale Größe bekannt.

Quelle: aus Album „All Day Music“

Was WAR ausmachte, erfuhr man in den Konzerten, von denen ich zwei erlebte. Eingefangen ist die Live-Präsenz auf dem 1973er Doppelalbum „WAR Live“,  aufgezeichnet während vier Konzerte im High Chapparral Club in Chicago, veröffentlicht 1973. Das Album verkaufte sich über 1,5 Millionen mal.  Lehnen Sie sich zurück und geniessen sie eine Zeitreise zu einer Band, bei der handgemachte Musik bei aller musikalischer Perfektion, bei Groove und Soul,  schlichtweg aufregend war. Meine Favoriten sind Slipping into Darkness – mit einem der schönsten Mundharmonika-Intros überhaupt, Ballero und natürlich The Cisco Kid.

WAR – Live – 1973, Doppelalbum

Quelle: Album Cover

Original Besetzung

  • Howard E. Scott – guitar, lead vocals
  • Lee Oskar – harmonica and vocals
  • Thomas „Papa Dee“ Allen – percussion and vocals – verstorben 1988
  • Charles Miller: saxophone and vocals – verstorben 1980
  • B.B. Dickerson – bass and vocals
  • Leroy „Lonnie“ Jordan – keyboards, vocals
  • Harold Ray Brown – drums and vocals

 

WAR – Hit Alben

1971 bis 1977

Auszug

 

Bitte beachten

Eric Burdon & WAR ist in diesem Feature bewußt unberücksichtigt gelassen, da sich die zwei Originalalben stilistisch von der hier vorgestellten Formation unterscheiden.

Lee Oskar

Er bildete mit seinem außergewöhnlichen laid-back Mundharmonikaspiel zusammen mit dem Saxophon und der Flöte von Charles Miller (†1980, ermordet) die Horn Section von WAR. Er ist ein Einwanderer aus Dänemark, der zunächst als Straßenmusiker aufgetreten ist und dann neben der phantastischen Rhythmusgruppe innerhalb der Band sein Instrument zu einem der Erkennungsmerkmale von WAR eingebracht hat. In den 1980er Jahren begann er eine bis heute erfolgfreiche Mundharmonikaproduktion, die dem Marktführer Hohner erhebliche Konkurrenz bereitet. Ich benutze die Lee Oskar Major Diatonic Harps (neben meinen Tony Ramos Hohners oder den Hohner XB40).

Lee Oskar hat einige nicht besonders inspirierte Solo Alben veröffentlicht, von denen mir einzig das folgende The Journey aus dem Jahre 1976 sehr gut gefällt und das ich immer wieder mal auflege. Lee Oskar stellt aus auf der Frankfurter Musikmesse und der NAMM Show in Anaheim und da kann man ihn ab und zu hören und ein wenig mit ihm fachsimpeln, stets eine schöne Abwechslung im Gitarren-Einerleigedödel auf anderen Ausstellungsständen.








All About Jazz – Go 100

Der Sonntagabend wird kommen, an dem die Jazzsammlung bemüht werden muß – sei es, weil die Stimmung danach ruft, ein Besuch eingestimmt werden soll oder ganz einfach als Lautmalerei. Begleitung für Tabak & Pfeife, zum Whisky oder …….

100 repräsentative Jazz Songs, 9 Stunden voller Standards.






Seasick Steve – sag mir, wo die Blueser sind

Über den Blues, die alten und die sogenannten kontemplativen Protagonisten, ist alles gesagt, alles geschrieben und alles nachzulesen. Sicher, der Blues ist unbestritten die Grundlage für fast alle Musikstilrichtungen ab dem 19. Jahrhundert und ohne ihn gäbe es wohl keine nennenswerte populäre Musik. Bar der sozialen und  menschenrechtlichen Situation, in der sich die „Gründerväter“ befunden haben, hat sich der Blues heute in eine Komfortzone verwandelt, hat die reine Lehre vergessen. Sie ist heute ohnehin gegenstandslos, außerdem verlassen die Alten unseren Planeten, wenn sie es nicht längst getan haben.

Zurück bleiben viele Alibi-Blueser, die – sobald sich Erfolg einstellt- eine weichgespühlte Bluesart spielen oder sich zu Allroundern gewandelt haben, wie die Überflieger Joe Bonamassa und Robert Cray. Eric Clapton, sicherlich der beste Musiker von allen, hat mittlerweile den Blues ebenfalls glattgebügelt und somit zu Tode geritten, Kenny Wayne Shepherd und Jonny Lang mutierten zu  hervorragenden …… Rock`n Rollern. Die vielbemühten Robert Johnson und Muddy Waters sind vom heutigen Geschehen um den Blues weiter entfernt als Pink Floyd von Andrè Rieu und Fleetwood Mac mag gerade mal als traurigstes Beispiel für den EU-Ableger des Blues taugen. Es stellt sich die Frage, ob man den Blues nicht nur aus dem historischen Blickwinkel angehen sollte, um der bluesigen Langeweile auf den Plattentellern zu entkommen.

Wäre da nicht -unter wenigen anderen Musikern-  Steve Wold, besser bekannt als Seasick Steve. Der 75 jährige spätberufenene Kalifornier machte erst 2004 im Alter von knappen 60 mit dem Album Cheap auf sich aufmerksam. Irgendwie geriet er 2006 an Jools Holland und dessen populäre BBC live-Show „Later with Jools“. Und ab da ging die Post ab.

seasicksteve

Von Xenus – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=7026097

Seasick Steve ist vielleicht der letzte wahre „Blueser“. Gefühlte 100 Jahre als echter Hobo auf der Strasse unterwegs, ein teils kurioses Sammelsurium an selbstgebastelten Instrumenten, der legendäre Fender Tweed , so bedient er ungewollt das Klischee. Aber da steckt mehr dahinter, denn Steve ist ein schnörkelloser Erzähler, für den die sparsame Musik nur Transporter ist. Und was ein rastloser Wanderer zu erzählen weiß, kann auf mittlerweile 8 veröffentlichen Alben nachgehört werden. Auch wenn er niemals eine Chance auf den Literatur-Nobelpreis wie der alters-flegelhafte Robert Zimmermann – der ihn bestimmt nicht vedient –  haben wird, dazu sind die Texte zu wenig intellektuell oder haben zu wenig feine Lyrik. Tiefgang haben sie allemal.

 

Analog ist alles aufgenommen, rauh, erdig, rotzig, simple Soundstrukturen, die aber unter die Haut gehen. Das sind keine Masterpressungen oder SACD Disks, das ist Musik.

Das ich so etwas noch mal antreffe, toll …….. und nun das aktuelle Album Keepin’ the Horse Between Me and the Ground, veröffentlicht in diesem Jahr.






Schellack Souvenirs – HiFi vor 100 Jahren

Anläßlich eines inzwischen alten Threads über High End HiFi und entsprechende High End Kabel hatte ich damals Bodo gesagt, daß ich sehr versucht war, provokativ ein Beispiel kabellosen und in meinem Fall auch Elektrizitätslosen, also akkustisch-mechanischen Musikgenusses zu posten: Das Grammophon! Da Bodo weiß, daß ich mich seit vielen Jahren intensiv mit historischen Gesangsaufnahmen beschäftige, machte er mir spontan den Vorschlag, eine eigene Rubrik dafür einzurichten. Hier ist sie nun!

Wer jemals eine gut erhaltene akkustische Schellackplatte einer Bassstimme mit einer „lauten“ Nadel über ein Trichtergrammophon gehört hat, der dürfte mir zustimmen, daß diese direkteste Art der Tonübertragung zu den eindrucksvollsten Klangerlebnissen zählt, die man sich vorstellen kann. Vollkommen natürlich und puristisch. Der Klang entströmt dem Trichter auf die selbe Weise, auf die er ihn einst auf die Platte gefunden hatte. Ohne Veränderung, ohne Filterung, ohne räumliche Effekte – vollkommen direkt.

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Nur einen, zugegeben fundamentalen, Unterschied gibt es: es rauscht. Manchmal mehr, manchmal weniger. Das verstellt uns die Möglichkeit, im Dargebotenen eine immer wiederholbare Illusion künstlerischer Darbietung zu sehen und zwingt uns auf der einen Seite sich mit der Dokumentation selbiger Darbietung zu begnügen, sich andererseits aber auch der Tatsache bewußt zu sein, daß wir es mit einem festgehaltenen Stück vergangener Zeit zu tun haben. Allein das Rauschen am Beginn der Aufnahme, die aufgenommene Stille noch vor jedem Ton, zeigt uns die vergangene vergehende Zeit. Je wichtiger uns der Eindruck der Illusion ist, desto mehr kommt es darauf an, uns dieses Rauschen wegzudenken, es zu überhören und uns auf die Musik zu konzentrieren. Sehen wir aber den Wert der Dokumentation, dann wird es uns nicht stören können. Ob man nun in solchen alten Aufnahmen, nicht selten über 100 Jahre alt, einen Gewinn sieht, das hängt wesentlich davon ab, den Wert der Darbietung per se zu erkennen. Warum soll man sich heutzutage eine 100 Jahre alte Aufnahme Carusos anhören? Vielleicht nur, um zu hören, daß es heute niemanden gibt, der auch nur annähernd so singen kann, wie es Caruso konnte, aber vielleicht auch um uns auf diesem Weg über viele historische Interpretationen hinweg ein anderes vielfältigeres Bild von der dargebotenen musikalischen Literatur zu machen als es uns unsere Gegenwart zu bieten in der Lage ist?

schallplatte_deutsche_grammophon_stimme_seines_herrn

Wenn wir uns heute Aufnahmen anhören, die vor 100 und mehr Jahren entstanden sind, dann muß uns bewußt sein, daß wir es mit Künstlern zu tun haben, die zum Teil berühmte Opern selbst uraufgeführt haben, ihre Rollen im unmittelbaren Umfeld der Komponisten erarbeitet haben oder von Sängern ausgebildet wurden, die bis weit ins 19. Jahrhundert zurück stilbildend waren, nicht zuletzt, weil Komponisten ihre Musik etwa „für“ bestimmte Sänger, also für einen bestimmten Stimmtyp verbunden mit bestimmten technischen Fähigkeiten, geschrieben haben. Wir kommen ein bisschen an die Wurzeln zurück.

Alle diese historischen Tondokumente geben uns die Möglichkeit, die Veränderungen von Interpretationen zu erkennen, denen die Interpretationsgeschichte klassischer Musikliteratur unterworfen ist und an denen sie im Idealfall wächst. Oder eben auch nicht und sich degenerativ zurückentwickelt.

Hören wir also alte Aufnahmen klassischer Musik und neue, dann überblicken wir in erster Linie stilistische Veränderungen eines nahezu beengt-kanonischen Repertoires, können aber auch hören, wie sehr sich etwa in der Veränderung des Repertoires auch Veränderungen des Gesangstils niederschlagen. Noch viel extremer läßt sich dieses Phänomen in der Unterhaltungsmusik wahrnehmen.

Ich möchte Euch deshalb in unregelmäßigen Abständen immer mal wieder in die „Akkustische Vergangenheit“ entführen. In die Zeit der Schellackplatten, also etwa von der Jahrhundertwende bis in die Zeit um 1950. Mit Schellackplatten, aber auch hin und wieder mit Live-Ausschnitten oder Filmclips. Da es eine außerordentlich aktive Youtube-Szene von Schellackplattensammlern gibt, greife ich auf dieses Material zurück und spare mir, meine Schellackplatten oder Ausschnitte aus meinen LP/CD-Dokumentationen zu konvertieren.

Ich werde versuchen, nach Möglichkeit Aufnahmen auszuwählen, die technisch „erträglich“ und hörbar sind, Euch in einigen Ausnahmen dokumentarisch besonders bedeutender Aufnahmen aber auch die eine oder andere akkustische Geröllhalde (nach dem Motto „die berühmte Koloratursopranistin XY singt vor der Kulisse der Niagarafälle die Glöckchenarie“) zumuten.

Ich hoffe, daß Euch (zumindest den Klassikfreunden unter Euch) die Rubrik gefällt und fange mal mit einem Filmclip zur technischen Einstimmung an:„Two Sisters from Boston“ (1946) oder: „Who cares about the song, it’s the phenomenon! That’s what people want, the noise that comes out of a box!“ oder: der „späte“ Lauritz Melchior spielt sich selbst in seinen Anfängen… Viel Vergnügen!




Spotify | Tipps, Tricks und (leidvolle) Erkenntnisse

Kategorie: Musik & Technik

1. Automatisches Update unterbinden

Ich werde fuchsteufelswild, wenn Anwendungen automatisch bei jedem Start ggfs. Updates durchführen, ohne mich zu fragen. Der Schaden kann ziemlich groß werden. Spotify ist so ein Kandidat, der mich lange genug geärgert hat. Insbesondere bei den letzten drei Releaseanpassungen sind Funktionsänderungen aufgetreten oder Funktionen einfach weggefallen, die nirgendwo dokumentiert sind. Der Support von Spotify ist katastrophal, lediglich eine völlig unzureichende Hilfe, deren Suchfunktion allein schon in unselige DOS-Zeiten zurückführt. In der Community, durch die lt. Spotify eine vollumfängliche Hilfe möglich sein soll, tummeln sich fast nur Kita-Smartphonler. Einen Support von Spotify direkt kann ich nirgendwo finden, obwohl ich einen Premium Account habe. Also gilt es, das zu tun, was Spotify unter allen Umständen vermeiden will: das automatische Update zu unterbinden. Dazu sind nur geringe Arbeiten zu erledigen. Aber warum überhaupt?

Das aktuelle Release 1.0.52  vom

Die Lösung: ich habe das automatische Update ausgeschaltet und bin auf das Release 1.0.50 zurückgegangen. Sodann habe ich zwei Dateien, die für das Update zuständig sind und in der Regel im Verzeichnis appdata\roaming\spotify (meistens auf dem Laufwerk C) zu finden sind, auf schreibgeschützt gesetzt. Dadurch kann Spotify kein automatisches Uodate mehr ausführen. Wenn Spotify den Fehler im neuen Release korrigiert hat, werde ich manuell aktualisieren.

Wie das geht, wird im Web vielfach leicht verständlich beschrieben. Ich bin nach dieser Beschreibung vorgegangen und nun funktioniert alles wieder wie gewünscht.



Wird mit weiteren Themen zu Spotify fortgesetzt




Bluetooth ….. rückt näher an die Audiophilen

WiFi schafft endlich alle Kabel ab, Kupferkabel sind ein resourcenfressender Anachronismus, alles verwendet Glasfaser und bald kommen die Verbindungen, endlich kabellos, ohnehin aus dem Äther oder direkt aus dem Herzen des Sonnensystems. Zugegeben, für den modernen Menschen mit gefühlten eintausend sogenannten Kommunikationsgeräten, den unabdingbaren Gadgets, sind genau die immer noch notwendigen Kabel ein lästiges Greuel. Insbesondere dann, wenn der Hersteller meines iPhones mit dem letzten Gerätestand mal schnell den Dockingsocket wechselt, den ich für das Ladegerät ebenso benötige wie für den Anschluß an den Desktop oder den oder das Laptop. Als Vielreisender, der immer alle möglichen Netzadapter und Ladegeräte mitführt, heißt das, auch da wieder neue Modelle anschaffen. Meine begeisternde Sony A6000 Digitalkamera z.B., ein Wunderwerk der Technik, verwendet aber leider ein völlig anderes Kabelset für alles mögliche als meine Lumix G-Modelle. Und so ließe sich das Lamento fortführen. Kaum ein Bereich unseres Lebens bleibt verschont. Vom externen USB Blu-ray Brenner, der Festplatten Dockingstation, dem Ladeanschluß des kleinen Bluetooth Lautsprecherwürfels, meinem Elektrorasierer und der atomgetriebenen Zahnbürste abgesehen. Mittlerweile habe ich die xte Tasche, die alle Kabel „an einem Platz“ hat und deren Anzahl von Monat zu Monat größer wird.

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Kleines Reise-Kabelset (Auszug!)

Obwohl ich in den letzten Jahren immer seltener zu einem Kopfhörer gegriffen habe und  vielmehr den körperlichen Raumklang in einer nahezu optimalen, audiophilengerechten Umgebung erleben kann (ich brauche Schalldruck!), greife ich ab und an zum Headphone. Wunderschöne highend Geräte, die ich da so besitze, aber leider alle mit Kabel. Dicke und schwere XLR Stecker oder voluminöse 6,3mm Klinkenstecker, links und rechts  zerren und werkeln sie am Kabel. Öfter stehe ich auf, um den Whisky nachzufüllen und vergesse, das ich angehängt bin. Beim niederlassen wiederum setze ich mich aufs Kabel und der Hörer wird auch wieder von meinem Kopf gerissen. Gut, warum nimmst du keinen Bluetooth Kopfhörer, fragen einige, für die der Klang des iPhones schon bei den Klingeltönen heifei-gerecht klingt.  Und wieder einmal reden die Blinden von der Farb.

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Sennheiser kabelgebunden, Neutrik 6,3mm Klinke – Sony MDR-ZX770 BN Wireless

Bluetooth ist eine schöne Sache, wenn man mit eingeschränkter Qualität beim Ton zufrieden ist. Denn auch bei Quellen, die nicht dem Kompressionsumfeld wie z.B. MP3 und Konsorten zugehörig oder nicht Streamingplattformen sind, also CDs, DVDs, Blu-rays oder Vinyls, reduziert Bluetooth die Übertragungsqualität. Stereosignale setzen das Advanced Audio Distribution Profile ein, auch A2DP genannt. Dieses wiederum verwendet den lizenzfreien SBC Codec (Low Complexity Subband Codec), der eine verlustschaffende Kodierung mit einer Bitrate von höchstens 345 kBit/S erzeugt und damit ähnlich untauglich für audiophile Ohren ist wie MP3 oder AAC.  Es kommt noch schlimmer: Dateien mit MP3-Format und ähnlichen Verlustträgern werden unter Bluetooth an der Quelle – also auch bei CD Spielern und Phono-Drehtellern – noch einmal mit SBC komprimiert und erst dann an den Empfänger geschickt. Das können Bluetooth-fähige Lautsprecher oder aber Kopfhörer sein. Warum aber werden Kompressionisten wie MP3 (trotzdem Dank ans Fraunhofer) und andere nicht unmittelbar ohne SBC gesendet?  Der schnöde Mammon ist es, der den scharf kalkulierenden Herstellern die dann fälligen Lizenzgebühren verleidet.  Und da die meisten Audiosignale eh auf Smartphones, Tablets oder auf Desktops mit ohnehin unzureichender Soundkarte gefunkt werden und die Hörer oftmals keine hohen Anforderungen haben, ist das scheinbar auch akzeptiert. Aber da gibt es immer noch ein paar renitente Audioadepten, die eine solch mindere Qualität auch bei Einsatz von Bluetooth nicht hinnehmen wollen.

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Deutsche Entwicklung und ebensolche Produktion: Palmer Headphone Amp PHDA02-Referenzklasse.
Durch Dongle auch mit aptX

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USB Interface Focusrite Scarlett 2 – eine der besten externen Soundkarten für PCs , um die 100€

Und da kommt jetzt der Entwickler und Hersteller Qualcomm aus Belfast ins Spiel, der den aptX™ Kompressionsstandard entwickelt hat, den die meisten Hersteller von Bluetooth Kopfhörern bereits unterstützen. Nun aber gibt es endlich die Weiterentwicklung auf aptX-HD, wobei -wie bei aptX-auf eine weitere Codierung von MP3 und anderen verzichtet wird. Vereinfacht: stattdessen werden die Quellsignale mittels PCM (Pulse Code Modulation) kodiert, aber das Quellformat bleibt unbearbeitet, selbst wenn es sich um unkomprimierte Formate wie AIFF, PCM oder verlustfrei komprimierte wie FLAC handelt. So werden innerhalb der Bluetooth Bandbreite mehr Daten übertragen, was dann zu einer deutlich höheren Qualität bei der Ausgabe der Signale führt. Oder einfacher ausgedrückt: alles klingt besser bis überragend.

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Sony MDR-ZX770 BN Wireless mit aptX, dass blaue Lichtlein stammt nicht von den Gebrüdern Grimm, sondern vom Bluetooth

Audiophile aufgepasst: bitte zukünftig darauf achten, das sowohl das Quellequipment wie auch der Empfänger (Kopfhörer, Lautsprecher) Qualcomms aptX™ „verstehen“. Dann klappt es auch mit (zufriedenstellendem) Bluetooth. Auf- oder Umrüstung bestehender Bluetooth Ausstattungen auf aptX™ sind möglich und werden von diversen Herstellern, darunter Sennheiser, mit Preisen von 30-90 € angeboten.

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