BM-II Jörgen Larsen Projekt

Mit dieser Pfeife, vor einiger Zeit schon einmal in einer anderen Welt vorgestellt, verbindet mich eine besondere Erinnerung. Sie geht zurück ins Jahr 1970. Und ohne einen Zufall und die künstlerischen und handwerklichen Fähigkeiten meines Pfeifenfreundes und Namensvetters Bodo Mauk, Mitglied der Münchner Runde und Hausherr unseres Münchner Clubs, hätte alles nicht eine so schöne Wendung genommen. Aber zunächst zurück in die frühen 1980er Jahre.
1970 war ich schon eifriger Sammler. Das Nachrechnen erspare ich Euch: im Alter von 20 Jahren und seit 2 Jahren Student in München. Jörgen Larsen, meinen damals bevorzugten Pfeifenmacher, hatte ich bereits persönlich bei Pfeifen Hille in Duisburg kennen und schätzen gelernt. Eine meiner JL – Lieblingspfeifen nannte ich den „Kinderwagen“, da die Form ihres Kopfes den früher so populären Korbkinderwagen ähnelte.

Irgendwann – ich glaube es war 1972 – ist mir der Kinderwagen zu Boden gefallen und der Kopf entzweigesprungen, regelrecht zerplatzt. Auch Jörgen Larsen, den ich in Odense besuchte, konnte nicht helfen. Der Kinderwagen war unwiderruflich perdu.


 
Ein Jahr später versuchte ich, eine Kopie aus Meerschaum herzustellen, was mir nur leidlich gelang. Da es ein vorgefertigter Block war, konnte ich zwar die Kopfform annähernd hinbekommen, allerdings entsprachen Holm und Mundstück nicht dem Original. Freude hat die Pfeife mir bis heute gemacht und tut es noch. Im Laufe der Jahre geriet der Kinderwagen in Vergessenheit und da ich früher keine Fotos von meinen Pfeifen angefertigt habe, auch das genaue Bild der Form. Und nun kommt der Zufall ins Spiel.



1972 Villa Hügel, Essen – Minuten später erfolgte der Crash.

Vor einiger Zeit fand ich in einer längst vergessenen Schachtel tatsächlich ein Foto von mir, auf dem ich den Original Kinderwagen rauche. Allerdings war die Qualität des Schwarzweißbildes so schlecht, das nur ich die Form der Pfeife erkennen konnte.

Ich zeigte das Foto Bodo II, der mich zunächst ratlos ansah und trocken bemerkte: „….schönes Hemd, beeindruckende Krawatte, toller Trench…“. Dem wundervollen Stück Holz und Ebonit zwischen meinen Zähnen – kaum zu erkennen, wie Ihr Euch überzeugen könnt – galt nicht gerade seine Aufmerksamkeit.

In den folgenden Wochen habe ich auf ihn eingeredet. Bodo besitzt nicht meine unnachgiebige Härte, die -gepaart mit bewußt eingesetzter Unverschämtheit – durchaus überzeugend wirken kann. Schließlich erhielt ich die Antwort, auf die ich gehofft hatte: „Mmmh, jahh, da müßte man ein Projekt daraus machen“. Wir machten ein Projekt.


Der „Fehlversuch“, der eigentlich keiner ist – Bodo II raucht ihn.

Die erste Phase bestand aus Zeichnungen, die zweite aus einem Prototyp, die dritte dann aus einem Fehlversuch, der eigentlich keiner war. Die Kopfform und der Holm wurden nicht exakt getroffen, aber ansonsten entstand eine wunderschöne, elegante und sehr schlanke Pfeife. Bodo II raucht sie seitdem selbst.

Bald hatte ich das Projekt wegen einer überraschend anzutretenden Auslandsreise fast vergessen, der leidige geschäftliche Alltag meldete Ansprüche an. Um so überraschter war ich, als Bodo II mir nach Rückkehr ein nachträgliches Geburtstagsgeschenk überreichte: das fertiggestellte Projekt. Ich war sprachlos – die Vergangenheit hatte mich nach über 40 Jahren eingeholt – seht selbst: ohne Spots, ohne Kitt, eine sehr schöne Maserung und ein Traumfinish. Und sie raucht sich perfekt und wird auch häufig gefordert. Mittlerweile hat sie eine wunderschöne Patina angesetzt und ich bilde mir ein, in ihr schmecken Flakes einfach besser. Na ja, glaubt es oder nicht.


Und wie sieht der „Kinderwagen“ heute, nach gut 5-jährigem Rauch-Marathon aus? Fortsetzung folgt.

Bodo Falkenried

exemplarischer Niederrheiner, seit fast 50 Jahren in München daheim, genauso lang Pfeifen- und Tabaksammler, versessen auf Musik, Literatur und andere Künste. Segler, Reisender [..unser Mann in Asien], Intensiver Marktgeher, immer am Herd.

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2 Antworten

  1. Bodo Mauk sagt:

    Hier noch eine kleine Ergänzung. Der Fehlversuch wurde natürlich nicht am Ende des Fertigungsprozesses verworfen.
    Vielmehr erkannte ich beim Bearbeiten des Kopfes und Holms. Dass die Pfeife doch stark von dem Jugendfoto abweicht.
    Also habe ich den Versuch abgebrochen und sie so gestaltet wie sie mir gefällt. Ich halte deshalb nach wie vor den Fehlversuch für die elegantere Pfeife.
    Aber so ist das mit den nostalgischen Rückblicken. Früher war eben alles besser und schöner.

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