Mein ultimativer Kanon der Literatur

Meine Tochter hatte für eine 19-Jährige einen – wie ich finde – sehr ausgefallenen Geburtstagswunsch geäussert. Sie wünschte sich, dass ihr Vater (vermutlich ich), ihr ein paar wirklich gute Bücher schenkt. Sie wollte aber nicht ein paar seichte Bücher als Urlaubslektüre haben, sondern bestand darauf, dass es die wichtigsten Werke der deutschen Literatur seien.

Also ein richtiger Literaturkanon. Sofort fiel mir natürlich der GLAZ (größte Literaturkritiker aller Zeiten) ein, der einen wirklich vortrefflichen Kanon zusammengestellt hat. Kanon Marcel Reich-Ranicki. Aber sie wollte ja nicht seinen Kanon, sondern meinen.

Ich erklärte mich sofort einverstanden und legte los. Niemals hätte ich gedacht, dass dieses Unterfangen so faszinierend, aufregend, anstrengend und auch so langwierig sein würde. Zunächst einmal ließ ich das „deutsch“ in Literaturkanon weg. Das ist langweilig, kleinkariert und nationalistisch. Ich wollte einen persönlichen Kanon zusammenstellen, die Bücher, die ich am besten fand, die mich geprägt haben und die ich für die zehn größten der Literatur halte und die auch ein Bisserl zu ihr passen sollten.

Zunächst vollzog ich ein inneres Brainstorming. Welche Autoren müssen unbedingt dabei sein und welche davon werde ich wieder streichen müssen. Welche Bücher sind absolut gesetzt und welche nur optional.
Die erste Autorenliste las sich in etwa so: Goethe, Thomas Mann, Hemingway, Camus, Oskar Maria Graf, Erich Kästner, Henry Miller, Charles Bukowski …

Die letzten beiden wurden sofort gestrichen, es handelt sich schliesslich um meine Tochter. Thomas Mann? Die Buddenbrooks? Selten ein so langweiliges Buch gelesen. Drei Seiten Beschreibung eines Türfügels, es schüttelte mich vor Grausen. Felix Krull? Den habe ich sehr gemocht, aber irgendwie doch lieblos zu Ende geschrieben und auch ein wenig trivial … Aber Thomas hatte doch einen Bruder und dieser definitiv mehr Temperament. Der kam auf die Liste: Heinrich Mann. Unrat? Nein, da soll sie den Film schauen. „Der Untertan“, ja der sollte es werden. Rechnen wir ab mit der preussischen Untertanen-Mentalität. Ausserdem, wenn wir schon dabei sind, wir brauchen mehr Bayern im Kanon.

Oskar Maria Graf, Das Leben meiner Mutter. Ein absolutes Muss für die gebildete Münchnerin und für alle anderen auch. Überhaupt das ganze Graf Werk, aber eines muss zunächst reichen. Lion Feuchtwanger fiel mir noch ein, aber die große München-Trilogie ist auch etwas zu langatmig für eine junge Dame, aber was ist mit Rosendorfer? Vielleicht nicht allerhöchste Literatur aber vergnüglich, hintersinnig und Münchnerisch: Briefe an die chinesische Vergangenheit.

Sprach ich eben davon, den Preussen eines auf den Deckel zu geben? Dann lass uns doch gleich der Operettenmonarchie eine sauberne Trumm Watschen verpassen. Das nennt man Revanchismus: Joseph Roth, Radezkymarsch. Das passt wundervoll zum Untertan. Ich war sehr zufrieden mit mir. Mein erstes Joseph Roth Buch habe ich mir übrigens mit ungefähr zehn Jahren aus der Stadtbibliothek – damals noch am Rindermarkt – ausgeliehen, war aber sehr enttäuscht, kein einziges mal konnte ich die von mir damals so geliebte Phrase „Ein Mensch …“ darin finden.

Aber werden wir wieder ernst. Bierernst. Goethes Faust (auf dem Bild leider nicht zu sehen) habe ich in einer wundervollen, alten Ausgabe mit Lithographien von Delacroix ergattern können.

Dann werde ich philosophisch. Das Werk, welches mich in meiner Jugend am allermeisten geprägt hat, war „Der Fremde“ von Albert Camus. Dieses Buch machte mich zu einem glühenden Existentialisten. Es war so düster und so leidenschaftlich leidenschaftslos. Lang nicht so ein Langweiler wie Sartre, war für mich Camus der König des schwarzen Rollkragenpullis. Zur ungefähr selben Zeit las ich – wie vermutlich alle Jugendlichen meiner Generation – den Steppenwolf, der muss auch dabei sein. Erinnern wir uns, die Leserin wird 19, nicht 49.

Neben Graf ist Kästner einer meiner Lieblingsautoren. Seit Pünktchen und Anton, liebe ich sein Werk. Die Kinderbücher habe ich tausendmal vorgelesen bekommen, selbst gelesen und dann wieder vorgelesen. So ein wundervoller, feiner Mann und spätestens, als ich erfuhr, dass der „Fabian“ in der Originalfassung herausgekommen ist, musste er natürlich auch dabei sein. „Der Gang vor die Hunde“ ist der Titel, den Kästner selbst für seinen großen Erwachsenen-Roman vergeben wollte. Diese Fassung ist quasi der unzensierte Directors Cut.

Warum ich die „Deutschstunde“ aufgenommen habe, weiss ich selbst nicht so genau. Vermutlich ist es eher meiner Liebe zu Emil Nolde geschuldet und weil ich dem erst jüngst in Verruf geratenen, die Stange halten wollte. Trotzdem es ist ein schönes Buch über Freundschaft, Kunst und Nazischeiss.

Hemingway ist der einzige Autor, der doppelt vertreten ist. Fiesta ist eines der schönsten Bücher, das ich kenne, ich habe es dutzend Mal gelesen und es ist ja auch nur ein ganz kleines Bücherl und dann muss natürlich auch noch die Stunde schlagen, Ehrensache. Auch wenn manche behaupten Ernest war als Trinker besser, als als Autor. Aber diese Leute, sind vermutlich in beiden Kunstgattungen selber nur mittelmäßig. Mein ältester Sohn ist übrigens seiner Mutter immer noch unendlich dankbar, dass sie verhindert hat, dass er Ernest Maria Broy heisst.

Dies ist die vollständige Liste meines ganz persönlichen Literatur-Kanons

  1. Oskar Maria Graf, Das Leben meiner Mutter
  2. Heinrich Mann, Der Untertan
  3. Joseph Roth, Radezkymarsch
  4. Herbert Rosendorfer, Briefe an die chinesische Vergangenheit
  5. Johann Wolfgang von Goethe: Faust I + II
  6. Albert Camus, Der Fremde
  7. Hermann Hesse, Der Steppenwolf
  8. Erich Kästner, Der Gang vor die Hunde
  9. Siegfried Lenz, Die Deutschstunde
  10. Ernest Hemingway, Fiesta
  11. Ernest Hemingway, Wem die Stunde schlägt

Wie man auf den Bilder unschwer erkennen kann, habe ich auch auf schöne, alte gebundene Ausgaben wert gelegt, denn diese Sammlung soll meine einzige Tochter ein Leben lang besitzen, in Händen halten und lesen. Vielleicht taucht auch das eine oder andere Werk davon in ihrem Kanon auf, den sie vielleicht irgendwann für einen Enkel zusammenstellen wird.

Was wären denn die Bücher, die in Ihrem Kanon auftauchen würden?
Welche habe ich vergessen?
Welche würden sie weglassen?

Bitten nehmen Sie, lieber Leser, Sich eine Pfeifenlänge Zeit und nutzen Sie die Kommentarfunktion, um Ihre persönliche Liste zu teilen, sie werden sehen, das ist sehr vergnüglich, erbaulich und auch sehr anstrengend …




Peterson 2017 Christmas Blend – es weihnachtet sehr …

PETERSON CHRISTMAS BLEND 2017Bei mir im Atelier, im Arbeitszimmer, überall weihnachtet es schon sehr und das schon seit ein paar Wochen. Also nicht so wie im Discounter, wo schon seit September die Zucker-Nikoläuse und Backtriebmittel-Spekulatien vor sich hin rotten, während andere noch den Polyester-Badehandtuch-Sale plündern, sondern so, wie es hier in der Stadt der Lebkuchen bei Westwind duftet, wenn die Lebkuchen Fabriken Weissella, Schmidt und Co, ihre Öfen anwerfen. Bei mir duftet es nach Früchten, Mandeln und Vanille.

Wie meine liebsten Freunde, Familienmitglieder und Kunstsammler wissen, beginnt für mich die Weihnachtszeit ja auch weit vor dem Dezember, denn ich arbeite auch dieses Jahr wieder viele Wochen an der jährlichen Holzschnitt-Weihnachtskarte.

Auch in diesem Jahr verrate ich nicht zu viel, wenn ich sage, unser Heiland ist auch diesmal in den verschneiten, heimischen Alpen zur Welt gekommen. Anders ist allerdings, dass meine Pfeifen einen ungeheuer weihnachtlichen Duft verströmen, während ich zeichne, hoble, schleife und schnitze. Nicht gerade Weihrauch und Myrrhe, aber doch so ein bisserl in die Richtung.

Eigentlich rauche ich keine Aromaten und Weihnachtsmischungen erst recht nicht. Allesamt sind sie zu teuer, nikotinlose Black Cavendish Rauchpappen in kitschigen Dosen. Warum ist das diesmal anders? Zunächst einmal muss ich anführen, dass ich als Mitbetreiber dieses Pfeifenblogs hin und wieder mit Testtabaken bedacht werde. Über manche hülle ich wohlwollend den Mantel des Schweigens, manche werden verschenkt und andere probiere ich und ab und zu lohnt sich der Aufwand des Herstellers und ich blogge darüber.

Atelier Alexande BroyAls ich das Packerl, welches unverhofft bei mir hereinschneit öffne, finde ich darin eine weihnachtliche Blechdose in rot, weiss und grün gehalten, wie auch sonst. Nach etwas Gerubbel und Gefummel und dem großzügigen Einsatz von Waschbenzin erkenne ich, diese Dose ist wirklich gelungen, blindgeprägt kein verblödeter Weihnachtsmann oder doofe Rentiere darauf. Schnee, Bäume, eine Schleife, sehr geschmackvoll, finde ich. Ich goutiere auch, dass es „Peterson Christmas Blend“ heisst und nicht etwa politisch verblödet „Holiday Blend“ oder „Jahresend-Blend“.

Ich öffne die Dose, innen ist ein Cellophan-Tütchen mit Goldsiegel. Auch sehr hübsch, ich breche das Siegel und auf einmal bereue ich, dies getan zu haben. All der wundervolle Geruch von frischem Holz, Farben, Latakia und Perique wird durch die Fensterritzen meines Ateliers nach aussen gepresst und eine Aromawolke süss und fruchtig übernimmt mein Hütterl bis in die letzte Ritze. Es schüttelt mich leicht. Dann wandert mein Blick über die Tabakfasern, die fest gepresst vor mir liegen. Sie sind rötlich, gelb mit braunen Flakestreifchen durchsetzt. Nichts ist schwarz, also kein Black Cavendish, vermute ich. Black Cavendish ist für mich der Schienenersatzverkehr des Pfeifenrauchers. Ich suche eine Meerschaumpfeife heraus – ich will keinesfalls ein gutes Holz mit diesen Weihnachtsaromen verderben – und fange an zu stopfen.

Peterson 2017 Christmas BlendIch zünde und bin erneut überrascht. Also weihnachtlich ist das streng genommen nicht. Leicht fruchtig, mandelig. Ich schmecke Honig, etwas Vanille, aber keine Lebkuchengewürze und vor allem der Rauch schmeckt satt und überhaupt nicht so schrecklich intensiv, wie die Dose, die ich sofort wieder verschliesse. Eigentlich sehr lecker. Ich rauche die erste Pfeife, arbeite weiter und stopfe mir die nächste. Wieder weiche ich vor dem Dosen-Geruchs-Flash zurück, aber auch die nächste Füllung schmeckt mir. Ich verlasse irgendwann mein Atelier und als ich wiederkomme, riecht es so wundervoll dort, dass ich betört an der Tür stehend verweile.

Peterson 2017 Christmas BlendAls ich mit angehaltenem Atem den Tabak genauer inspiziere, erkenne ich ordentlich viele Flake-Stückchen, lockeren Burley und Virgina loose-cut, welcher perfekt konditioniert ist. Auch hat der Tabak durchaus eine sättigende Stärke, er ist bei weitem keine Rauchpappe.

Was soll ich lange herumreden, ich mag ihn sehr und freue mich, mal etwas anderes in meinen Pfeifen zu haben und widmete diesem Tabak eine eigene alte Oldenkott. Aber auch in anderen Hölzern ist er schon gewesen und hat sie keinesfalls verdorben.

Ich werde ihn bestimmt die Weihnachtszeit über rauchen und ihn bei meinem nächsten Besuch in München bei Pfeifen Huber nachkaufen. 23 Euro für 100 Gramm erstklassigen Tabak, das ist nicht geschenkt, aber auch nicht überzogen und ausserdem ist doch nur einmal im Jahr Weihnachten.

Ach ja, danke, für diese Probedose.

 




Cornell & Diehl – Bayou Morning Flake

Cornell & Diehl - Bayou Morning FlakeDen ersten Tabak, den ich aus meiner letzten USA-Lieferung geöffnet habe, war der Cornell & Diehl – Bayou Morning Flake. Ihn habe ich in zwei verschiedenen Größen. Einmal die normale zwei Unzen und dann die Familienpackung mit acht Unzen. Die Große ist noch ungeöffnet, die nehme ich einmal in den Münchner Pfeifenclub mit. Dann bleibt mir vielleicht auch noch ein kleines Bröserl Tabak, nachdem die Pfeifen-Freunde sich in ihrer typischen Bescheidenheit die Probier-Giants gefüllt haben werden.

Bayou Morning Flake – A strictly VA/Perique blend with stoved VA presented in a broken flake.

Das steht auf der sehr schmucken Dose. Wir sehen einen Mann in einer Latzhose mit Strohhut und Pfeife, der auf einem kleinen Boot durch den nebligen Bayou stakt. Eine sehr hübsche Grafik, die mich auch ein bisschen an den FrogMorton von McClelland erinnert, da stagt auch einer wie ein Gondoliere für Arme durch den Sumpf. Die Dose ist wie viele amerikanische Tabake mit einem Vakuum Deckel mit Lasche verschlossen. Ängstlich nehme ich den Kopf zur Seite, ich erwarte eine Überdosis Ketchup-Geruch, wenn sich die Dose fauchend mit Luft füllt und ihr beissendes Aroma entlässt. Dieses spezielle Aroma, kann ich nicht ausstehen. Das ist fast so schlimm, wie Ketchup statt Preiselbeer-Marmelade ans Schnitzel gepresst. Meine Sorge war allerdings glücklicherweise unbegründet. Vorsichtig schnuppere ich am Tabak. Ein wenig dieser Prolo-Tomaten-Suppe kann ich vernehmen, aber auf keinen Fall sehr aufdringlich. Ich rieche Säure, aber die kommt eindeutig vom Perique und ich rieche Süße, vermutlich der Virginia, der aus für mich nicht nachvollziehbaren Gründen auf der Dose mit „VA“ abgekürzt wird.
Da mir bewusst war, dass ich eine Tabak-Rezension über den Bayou Morning Flake schreiben würde, versuchte ich eine Analogie zu finden, die genau diesem süss/sauer-Gemisch entspricht. Am ehesten würde ich ein Glas „Schlesische Gurkenhappen“ vorschlagen.

Bayou Morning Flake

Der Broken Flake ist so broken, wie man ihn sich vorstellt. Ein bisserl Platten und ein bisserl zerbröselt. Die Kondition ist perfekt, nicht trocken und nicht zu feucht. Ich habe die Dose inzwischen komplett geraucht. Mit Filter, ohne Filter und vor allem mit meinen selbst geschnitzten 6mm Balsafiltern, welche mir eindeutig das beste Raucherlebnis beschert haben. Keine Feuchtigkeit, kein Sottern, aber auch kein Aromaverlust. Die Flake-Scheiben lassen sich einfach in die Pfeife drücken, kein Falten, kein Stopfen kein Knicken, einfach rein.

Aber nun zum Geschmack. Sie werden es nicht glauben, es ist nahezu unvorstellbar gewesen, aber dieser Tabak hat meinen Lieblings-Virginia-Perique-Flake, den Huber Louisiana  von seinem Thron geschubst. Der Bayou ist noch cremiger, noch süsser und dabei noch prickelnder säuerlicher auf der Zunge. Wenn der Louisiana-Flake ein sehr guter Prosecco ist, dann ist der Bayou ein frischer, prickelnder fränkischer Winzer-Riesling-Sekt. Beinahe hätte ich behauptet in diesem Tabak ist Kohlensäure, aber tatsächlich, so fühlt es sich an. Temperamentvoll und doch dann so mild und wunderbar cremig (hier verlässt mich mein bescheuertes Schaumwein-Bild). Dieser Tabak ist wirklich ein Gedicht. Ich würde ihn insgesamt als mittelstark bezeichnen und er bleibt das von Anfang bis Ende.

Ich bin sehr froh, dass ich noch die große Dose habe und mein Freund Thomas, hat noch eine weitere im Gepäck, wenn er aus dem Urlaub zurück kommt. Wenn Sie auch ein Liebhaber dieser Virginia-Perique-Mischungen sind und die Möglichkeit haben, diesen Tabak einzuführen, oder mitbringen zu lassen, tun Sie es, lieber Leser, Sie werden es sicher nicht bereuen.

Ob ich die anderen Tabake aus dem Süden, bereut habe, oder vielleicht noch besser fand, lesen Sie bald, hier in diesem Blog.

 




Tabake des Südens – Bayou, Cajun und Louisiana

Dass ich den Süden im Blut habe, hat vermutlich schon jeder hier mitbekommen. Damit meine ich natürlich nicht nur meine bayerische Herkunft, meine Liebe zu meiner Heimat München und ihrer Weißwurst. Ich spreche in diesem Zusammenhang von den Tabaken des Südens der Vereinigten Staaten von Amerika. Genauer gesagt aus den Sümpfen Louisianas und speziell vom einzigartigen Geschmack des Periques. (Vgl.: FrogMorton und Huber Louisiana)

Mein Freund Thomas – der mit dem Ferienhaus in Florida – hat durch meine grenzenlose Bestellwut bei Smoking-Pipes inzwischen einen neuen besten Freund in USA gefunden: den UPS-Fahrer. 150 grammweise schmuggelt der Ärmste und seine leidgeprüfte Familie nun ständig meine Tabaksdosen nach Deutschland. In diesem Monat steht das Handgepäck von Thomas Familie unter dem Motto „Bayou und Cajun“. Schon allein um die Mühe meiner ehrenamtlichen Schmuggler- und Schleuserbande zu würdigen, werde ich Ihnen hier diese Tabake alle einzeln vorstellen.

Dies ist die Liste meiner Auswahl des feuchten Südens …

Cornell & Diehl – Bayou Morning Flake
BriarWorks – Back Down South
Cornell & Diehl – Bayou Morning
Cornell & Diehl – Bourbon Bleu
McClelland – Royal Cajun: Dark

Bleiben Sie dran, es geht bald weiter … wie immer in diesem Theater Blog …




Fayyum Special Cake – so wertvoll wie ein kleiner Penzance ….

Fayyum Special Cake Foundation by Musico, HU-Tobacco

Reden wir zunächst Klartext. Zu diesem Tabak-Hersteller stehe ich in einer Geschäftsverbindung. Ich habe Etiketten entworfen, erstelle Katalog und Website, bin also befangen.
Diesen Tabak habe ich allerdings nicht zum Testen überlassen bekommen (das hat der Fayyum Cake gar nicht nötig), ich habe ihn auch nicht käuflich erworben (es gibt ihn ja so gut wie nie zu kaufen), Hans hat ihn mir auch nicht auf Grund besonderer Leistungen geschenkt (dazu müsste ich erstmal besondere Leis…)
Ich habe ihn einfach entwendet, geklaut, gestohlen, geplündert.
Und das kam so: Ich habe bei mir im Atelier eine große Kiste stehen. Darin ist von jedem HU-Tabak eine Dose. Die soll ich allerdings nicht rauchen, sondern für den Katalog fotografieren. Zu treuen Händen hat Hans Wiedemann von HU-Tobacco mir diesen Schatz anvertraut und ich verkommenes Subjekt habe nichts anderes im Sinn, als …Aber ich konnte ja praktisch gar nichts dafür! Niemals wäre mir eingefallen, dieses Vertrauen zu mißbrauchen. Aber ich musste doch diese Dose öffnen, um die Crumble Cake Riegel ablichten zu können. Und als ich den Deckel dann vorsichtig anhob, fand ich darin einen kleinen Zip-Lock-Beutel und den hätte ich ja schlecht fotografieren können, wie hätte das denn ausgesehen. Also musste ich den Beutel öffnen und die Crumble-Cakes heraus nehmen. Können Sie Sich diese Versuchung vorstellen, Euer Ehren lieber Leser? Dieser Duft! Dieses wunderbar fest gepresstes Stück Tabak in Händen zu halten, daran zu schnuppern und zu wissen, dass es leichter ist an eine Dose Penzance zu kommen, als an diese Kostbarkeit? Seien Sie ehrlich, wären Sie da nicht auch schwach geworden? Ich drapiere also diese hübschen kleinen Briketts adrett neben der Dose, richte das Licht ein und knipse ein paar Bilder. Würde es irgendwer merken, wenn ich mir eine winzige Scheibe abschneide? Auf meinen Schultern befinden sich plötzlich zwei kleine, leicht durchsichtige Gestalten, eine hellere mit Flügeln und eine rötliche mit einer Mistgabel und reden ununterbrochen auf mich ein. „Los, komm schon, das merkt kein Mensch!“, „Nein, das würdest du dir nie verzeihen …“ Sie kennen das?

Fayyum Special Cake Foundation by Musico, HU-TobaccoNun, was soll ich sagen, ich habe es getan und tue es gerade in diesem Moment wieder … Der Geist, das Fleisch, bei mir ist alles schwach. Sehen sie diesen Artikel als eine Art Selbstanzeige. Bereue ich? Nein, keinesfalls und ich würde es wieder tun, denn dieser Tabak hat mit dem Penzance mehr gemein, als nur die Nichtverfügbarkeit. Ich kenne keine Engländer der so sanft und cremig sind, wie diese Beiden. Nie habe ich Latakia so lieblich geraucht und dabei sind Unmengen davon in diesem Tabak. Kentucky, Black Cavendish, sowie eine Prise Fire Cured Kentucky sind noch enthalten. Ich bin nicht Peter Hemmer, ich kann das nicht herausschmecken, ich musste das nachlesen. Rauche ich den Penzance daneben, stelle ich schon Unterschiede fest, das ist nicht der selbe Tabak (zumal mein wie ein Augapfel gehüteter Rest, schon ziemlich trocken ist) aber sie sind sich in der Art ähnlich.

Es sind sanfte und ein wenig liebliche, englische Crumble-Cakes. Während der Penzance in einem winzigen Döschen kleine Scheiben enthält, die als Mottled Flake beschrieben werden, sind beim Fayyum-Cake wie vorhin schon erwähnt, zwei kleinen Riegel in eine Malerdose verpackt. Zu rauchen sind solche Tabake absolut problemlos, wie ein Flake, oder Plug nur nicht so dicht bzw. fest, werden sie locker in die Pfeife gestopft.

Esoterica PenzanceDass diese beiden Tabake so schwer zu bekommen sind, macht natürlich auch ihren Reiz aus. Gäbe es sie an jeder Tankstelle, wären sie uns dann so teuer? Bestimmt nicht. Warum Esoterica so wenige dieses Tabaks – und wenn dann auch nur in Übersee – verkauft, weiss ich nicht. Böse Zungen behaupten, die Verknappung sei Methode. Wenn bei einem der internationalen Tabakhändler ein paar Dosen auftauchen, dann sind sie innerhalb weniger Minuten ausverkauft. Bei Hans Wiedemann bin ich mir jedoch ganz sicher, dass ihm solch ein hinterlistig, merkantiles Taktieren fremd ist. Der Grund für seine Lieferschwierigkeiten sind ganz anderer Natur. Er presst die Tabake selbst und in seine Presse passen einfach nur wenige Kilo Tabak hinein. Vier bis sechs Wochen muss der Tabak unter Druck reifen und das ist der Grund für die Knappheit dieses wunderbaren Engländers aus dem Ries. Wer keine Geduld hat, kann sich ja in DIY-Manier eine eigene Presse basteln und den normalen Fayyum selber unter Druck setzen …




DIY Filter Schnitzen mit Balsaholz

Corncob mit BalsaholzfilterDIY (Die-Ei-Wei) ist eines dieser blöden Abkürz-Schlagworte, die ich einfach nur furchtbar finde … Ist es doch auch so ein unnötiger amerikanischer Anglizismus – oder nennt man den dann einen englischen Amerikanismus? – Aber Suchmaschinen, das Internet und sein verblödetes Publikum liebt ja alles was D.I.Y ist und deshalb mische ich da jetzt kräftig mit.
„Do it yourself“ war eigentlich das Heimwerker-Credo der 70er Jahre, welches damals einen Haufen von Büchern und Print-Magazinen hervorbrachten. Eines hieß doch tatsächlich „voll Gendermainstreaming“ (kreisch) „Selbst ist der Mann“ und es heisst tatsächlich immer noch so. (Für mich der einzige Grund es immer noch abonniert zu haben). Ich besitze noch etliche weitere antiquarische Schätze aus der Zeit: Langhaarige Männer mit Kotletten und Schlaghosen schreinern, basteln und werken … Sie sehen, geneigter Leser, die deutschen Vokabeln sind mir durchaus geläufig.
Ich hätte diesen Blogbeitrag vielleicht doch Alexander’s Bastelstunde nennen sollen (Selbstverständlich mit DeppenApostroph).

DIY Schnitzen BalsaholzfilterDiese Bastel-Themen sind wieder en vogue, nur ohne Schlaghosen, dafür mit Holzfällerhemd und Hipster-Bart. Also, lassen sie uns basteln, lieber Leser.
Der eine oder andere unter Ihnen raucht vielleicht, wie ich auch, ab und zu mit einem Filter im Pfeifenholm und kennt (neben der leidigen Grundsatzdiskussion) auch die klaren Nachteile dieser Einsätze. Man raucht zwar kühler und mit weniger Feuchtigkeit, verliert aber doch einiges an Geschmack. Aktivkohle neutralisiert fast jedes Aroma-Molekül, Katzenstreu Meerschaum schon etwas weniger, aber das beste Filtermaterial ist immer noch das Balsaholz. Die Geschmackseinbuße ist gering und die Wirkung spürbar.

Savinelli Balsaholz FilterNun gibt es von Savinelli ja diese kleinen Briefchen mit Balsaholzfiltern, aber die wären für einen armen Künstler wie mich, unbezahlbar, kosten sie doch fast das Dreifache der anderen Filter.
Da ich ja ein passionierter Herrgottsschnitzer und Holzdrucker bin, habe ich natürlich immer verschiedene Holzsorten im Atelier herumfliegen. Aus irgendeinem Grund auch einen Klotz Balsaholz, der sich auf Grund seiner Weichheit überhaupt nicht zum Schnitzen eignet.
Flugs mit dem kleinen Pfeifenbesteck – man braucht nicht mal ein Schnitzmesser dafür – ein kleines Stückerl abgeschnitzt, in Form gestutzt und fertig ist der DIY Pfeifenfilter.

Corncob mit BalsaholzfilterSie finden, das war wieder mal ein völlig sinnbefreiter Beitrag? So muss ich Ihnen leider mal wieder recht geben, lieber Leser. Und trotzdem hoffe ich, dass ich Sie ein wenig zum Basteln anregen konnte. Gehen Sie raus in die Natur, suchen Sie Sich einen Balsabaum (Ochroma pyramidale), der wächst überall in den Tropen, schnitzen sie sich einen Filter. Vor dem Pfeifenbau mit diesem Holz mit einer Dichte von circa 100 kg/m³ rate ich allerdings dringend ab, die Pfeife wäre zwar in Minuten fertig geschnitzt, würde aber auch genauso schnell abbrennen.

Aber vielleicht schauen Sie ja auch mal in Ihren Bastelkeller zuhause, vielleicht liegt da ja immer noch das Modellflugzeug von Robbe herum, welches Sie in den 70ern immer einmal haben bauen wollen. Der Rumpf und die Flügel sind vielleicht aus Balsaholz. Upcycling heisst das (nächste völlig verblödete) Zauberwort … so jetzt höre ich auf mit dem Schmarrn, sonst ändern die anderen, ernsthaften Kollegen mein Passwort und ich darf hier nicht mehr bloggen.

Aber versprochen, das nächste mal, wenn ich wieder vom Basteln, DIY und Upcycling schreibe, wird es gehaltvoller sein, dann erkläre ich vielleicht wie man aus eine alten Europalette ein Kruzifix schnitzt …




Blogger Relations? Neue Pfeifentabake rezensieren?

Blogger Relations Mac Baren Amphora TabakeIch bin ja sehr gespannt, wie Sie – liebe Leser dieses Blogs – auf diesen, meinen neuen Beitrag reagieren werden. Ich könnte mir vorstellen – und ein Bisserl wünsche ich mir das insgeheim auch – , dass dieses Thema so sehr polarisieren wird, wie die Fragen: „filtern oder nicht“, „Zippo oder Streichhölzchen“ und ob Dunhills preiswerte Pfeifen sind.

Heute erreichte mich ein dicker Briefumschlag mit zwei Tabakpouches. Absender eine Kommunikationsagentur im Auftrag von MacBaren. Ein kleines Kärtchen lag dabei „Viel Spaß beim Probieren“

Na, bekommen die ersten schon Schnappatmung?
Werbung im Blog? Bezahlte Rezensionen? Redaktionelle Werbung! Gar Schleichwerbung!!!!

Also zunächst einmal haben die Herrschaften von Mac Baren und ihr Distributor Arnold André mit ihrer Agentur alles richtig gemacht. Sie haben mich als Impressums-Kontakt dieses Blogs freundlich und sehr zurückhaltend kontaktiert und höflich gefragt, ob sie mir Pressemitteilungen zu Produktneuheiten zusenden dürfen. Ich habe jahrelang selber Social Media Relations gemacht und bin offen für solche Anfragen, warum auch nicht, ich musste mich ja zu nichts verpflichten.
Nach längerer Pause kam dann die erste Pressemitteilung und ein paar Tage später sogar zwei Pouches zum Verkosten. Da stand jetzt NICHT: „Sehr geehrter Multiplikator, wir würden uns über eine sehr positive Rezension in Ihrem überaus reichweitenstarken Pfeifenblog freuen“, sondern lediglich und das auch noch mit Hand geschrieben: „Viel Spaß beim Probieren“

Blogger Relations Mac Baren Amphora TabakeMir hat das Vorgehen gefallen. PR ist wichtig, Werbung nötig und der Umgangston war aus meiner Sicht genau getroffen. Blogger sind Zicken, dass wissen auch die Kollegen von der Agentur Headware.
Man könnte vielleicht sogar geschmeichelt reagieren, zeigt es doch, dass der Pfeifenblog im Mainstream angekommen ist, dass uns die „Industrie“ ernst nimmt. Ich nicht, ich kenne unsere Zugriffszahlen, ich weiss dass wir ein wichtiges Medium geworden sind. Wir sind der „Longtail“ der lange Schwanz der Nischenkommunikation. Wir haben keine Streuverluste, alle unsere Leser rauchen Pfeife, wir sind wichtig: Ist so, basta!

Also was ist nun zu tun? Ich finde wir sollten die Tabake rauchen, verkosten und auch eine Rezension über sie schreiben. Wir schreiben dauernd Rezensionen, das sind unsere wichtigsten Themen. Bisher haben wir allerdings alle Tabake, die wir besprochen haben, käuflich erworben. Wir haben das immer so gemacht, auch wenn uns Pfeifen Huber in München zum Beispiel, die eigenen Tabake auch jederzeit zur Rezension kostenlos überlassen würde. Wir bezahlen dort schon seit Jahren für unsere Rauchwaren, wenn nicht gar seit Jahrzehnten. Warum sollte sich das ändern, nur weil wir jetzt Pfeifen-Blogger sind?

Aber das ist jetzt etwas anderes, diese „Verbindung“ entstand neu und auf einer anderen Basis.
Trotzdem haben wir jetzt ein Problem, denn anders als bei den Tabaken, die ich mir beim Huber im Tal oder anderswo kaufe und hier dann bespreche, habe ich mir diese beiden nicht selber ausgesucht.
Jetzt lese ich folgende Beschreibungen aus der Presseinformation:

Während bei der Amphora Special Reserve No. 2 feine Noten erlesener Kirschen Duft und Geschmack verfeinern, stehen bei der Amphora Special Reserve No. 8 exotische Früchte im Vordergrund.

Kirschen? exotische Früchte?“ da steht jetzt leider nicht: „kräftige englische Mischung mit rassigem Latakia“ oder „starker Virginiaflake mit einer tüchtigen Portion Louisiana Perique“ …

Blogger Relations Mac Baren Amphora TabakeJetzt weiss ich natürlich, dass ungefähr 90% aller Pfeifenraucher aromatisierte Tabake bevorzugen, aber bei uns drei Autoren, ist keiner dabei. Weder Bodo, noch Peter, werde ich zu einer Rezension bewegen können, trotzdem hätte ich gerne, dass hier eine erscheint.

Ist das nicht eine tollte Gelegenheit, neue Autoren hier im Blog zu akquirieren?

Wer möchte eine Rezension über die beiden neuen Tabake von Mac Baren schreiben?

Ich wünsche mir eine faire und überparteiliche Rezension. Sie sollte von jemandem geschrieben werden, der gerne „Aromaten“ raucht, denn nur so, bekommen unsere Leser einen vernünftigen Eindruck diese beiden neuen Tabake.

Was meinen Sie lieber Leser? Haben Sie Lust die beiden Tabake zu rezensieren, oder sind Sie der Meinung, dass solche von Tabakherstellern angestossenen Beiträge, hier nichts zu suchen haben?

Bewerbungen, Zustimmung und wüste Beschimpfungen, wie immer in den Kommentaren …




HU-Tobacco | Der neue Flanagan

Flanagan HU Tobacco

Flanagan HU Tobacco

Kaum grantelt man im Blog ein paar Jahre wegen hässlicher Tabaksdosen herum, schon kommt einer daher und trägt einem auf, dass man es doch selber besser machen soll. So wird aus dem Besserwisser – in Bayern „G’scheidhaferl“ genannt – einer der beweisen muss, dass er auch ein Besserkönner ist. So ist es mir letztens passiert und gar nicht feig, stelle ich mich jetzt Ihrem Urteil, geneigter Leser, werter Pfeifenfreund und Tabak-Aficionado. Das Schöne an dieser Geschichte ist, dass mich nicht etwa einer angesprochen hat, der ein recht’s Unkraut in seine Tabaksdosen presst. Ihr wisst was ich meine, keine aromatisierten Rauchpappen, die schon nach zehn Minuten nicht mehr nach der Parfumabteilung vom Hertie, sondern nach Nieren-Blasen-Tee schmecken. Mein Kunde ist was die Tabakqualität angeht über jeden Zweifel erhaben. Kein geringerer als der Tabak-Blender aus dem Ries, Hans Wiedemann von HU-Tobacco war es, der Ende letzten Jahres auf mich zu kam und um Hilfe bei der Dosengestaltung bat.

Die neue EU-Tabakverpackungsverordnung hat auch ihn gezwungen, alle seine Dosen neu zu gestalten. Was man den Bürokraten in Brüssel und Straßburg aber nicht vorwerfen kann, ist, dass sie einen mit der Gestaltung im Stich lassen.

HU-Tobacco Flanagan Flake

HU-Tobacco Flanagan Flake -EU Druckbogen

Nein, ganz im Gegenteil haben sie großzügig – dass ich als Steuerzahler schon fast wieder die Stirn runzeln muss – wunderschöne Gestaltungselemente beigesteuert. Es sind lichte weiße Flächen, die sich mit einem kräftigen schwarzen Rand vom übrigen Dosendesign abgrenzen. Klare Formen, die in ihrer eleganten Schlichtheit sofort zu überzeugen wissen. Die Kurzprosa, welche die europäische Genussmittelbehörde beisteuert, ist kongenial klar, unmissverständlich und postmodern. Deutliche Botschaften, die wenig Interpretationsspielraum lassen. Und doch erinnern sie ein weinig an die dichte Kurzheit der japanischen Haiku-Dichtung. Wenn sie leider auch deren Regeln nur in sehr geringen Maße einhalten. So erwähnen Sie zum Beispiel äußerst selten die Jahreszeit (Kigo). Da gilt es vielleicht noch etwas nachzubessern. In etwa so:

Das glühende Tabakblatt,
im Winter wärmend,
wird dich töten.

Aber ich schweife schon wieder ab, denn ich wollte ja von der Dosengestaltung und nicht von Dichtkunst sprechen. Einer der meist verkauften und auch bei mir sehr beliebten HU Tabake, ist der Flanagan. Ein schöner Virginia/Orient/Kentucky Flake im Stil vom Huber Virginia, Dunhill Flake oder Danpipe St. Bernard. Dieser war ausverkauft und aufgrund fehlender Etiketten nicht mehr lieferbar. Er war der erste, welcher ein neues Dosendesign bekommen sollte. Dabei fiel auf, dass vielleicht auch ein Firmenlogo bei der Vermarktung von Tabakprodukten von Nutzen sein könnte. Flugs wurde ein Logo designed und es konnte losgehen. Ich hatte mir für den Auftakt der Zusammenarbeit mit Hans einiges vorgenommen. Der Flanagan sollte der erste Tabak werden, zu dem es eine Schmuckdose als Künstleredition geben sollte. Solange die EU-Kommission die Haikuregeln so rüde missachtet, wollte ich so gut es geht, auf sie verzichten auch wenn das oben beschriebene schwarz weiße Etikettenelement noch so sehr durch klarer Formensprache besticht.

Die Klippen von Moher - 2017 Öl auf Leinwand | Alexander Broy

Die Klippen von Moher – 2017 | Öl auf Leinwand | Alexander Broy

Flanagan ist jetzt kein typisch alpenländischer Name, eine meiner unzähligen Almhütten, Bergpanoramen oder Schneelandschaften, konnte ich wohl nicht verwenden. Auch dänische Dünenlandschaften schienen unpassend, außer Hans würde den Flake in Flænegån oder Flønnegøn umbenennen.
Vor zwei Jahren war ich das letzte mal in Irland und zwar an der West und Nordküste. Da ich mit meinem halbstarken Sohn unterwegs war, verzichtete ich auf das Malen vor Ort. Es hätte seine Geduld bestimmt überstrapaziert, sondern fotografierte viel mit einer geliehenen Leica M8 und fertigte ein paar feucht, wellige Skizzen an. Die Leica würde schon irgendetwas brauchbares eingefangen haben und wenn ich mir die künstlerische Freiheit, ein bisschen Sonne dazuzumogeln, nehmen würde, wären die Klippen von Moher bestimmt ein passendes Motiv für den Flanagan.

Die Klippen von Moher - 2017 Öl auf Leinwand | Alexander Broy

Flanagan Cliffs of Moher

Nun stelle sich der geneigte Leser den Künstler in dicken Filzschaftstiefeln und Lodenjacke in seinem nur bis knapp über den Gefrierpunkt beheiztem Atelier vor, der versucht die Stimmung der irischen Westküste einzufangen. Frieren ist schon mal ein guter Anfang, ein paar Gläschen „Writer’s Tears“ dem definitiv besten irischen Whiskys und die wundervolle Platte „Now“ von Patsy Watchorn mussten es richten. „Dublin in the rare auld Times“ und vor allem das unvergleichliche „The Ferryman“ sind so wunderbare irische Songs, dass einem die Luft wegbleiben möchte. Das letztgenannte haben wir einige Male live im „Real Inn“ in Donegal gehört. Ich hole mir eine Dose Guinness aus dem Kühlschrank und ein paar Stunden später sind die Cliffs of Moher auf 40 cm im Quadrat – Öl auf Leinwand gebannt und ich leicht trunken, natürlich nur von der Erhabenheit der Kunst.

HU-Tobacco Flanagan Flake

HU-Tobacco Flanagan Flake | nur für Export ausserhalb EU

Die weitere Vorgehensweise beim Dosendesign ist unprosaisch und langweilig. Die Typographie ist das einzig Spannende, ansonsten ist es Pixel schubsen und Vektoren schieben, bis die fertige Druckdatei vorliegt.

Der wahre Lohn der Arbeit lässt nun auf sich warten. Ich schreibe schon einmal diesen Artikel, während die Druckerei unterdessen die alten Heidelberger rattern lässt und ich träume von meiner ersten Peterson mit dem neuen Flanagan die Cliffs of Moher in der Hand … und während Sie – geneigter Leser – diese Zeilen zu lesen bekommen, bin ich schon bei den nächsten Dosen, denn auch die Warehouse-Serie, The Blender’s Pride, sowie Peter Hemmers legendäre Foundation-Tabake brauchen neue Dosen, aber dazu bald mehr in diesem Blog.




Alfred Dunhill – sag beim Abschied leise Servus …

„Nix ist ewig“, das wissen wir. Und für alles kommt einmal die Zeit.  Die allerletzte Dunhill Flake-Scheibe wird irgendwann geknickt und gefaltet worden sein. Das letzte Krümerl Nightcap in einem Pfeifenkopf verbrannt, die letzte Navy-Roll in Rauch aufgegangen sein.

Das Pfeifenrauchen ist nicht gesund, das ist so, da brauchen wir nicht einmal alternative Fakten hinzuzuziehen. Aber es ist eben doch auch ein Teil unserer Kultur. Es ist Genuss und bedeutet für viele Gemütlichkeit und Kontemplation. Der Lifestyle – der schon länger die Lebensart abgelöst hat – ist gerade so, dass man lieber mit einem Styroporhelm auf dem Kopf einen grünen Smothie trinkt, statt mit einem Borsalino eine Dunhill raucht. Sicherheit und Gesundheit sind gerade angesagt und werden von der selbst gewählten Unmündigkeit – unserer Obrigkeit – per Dekret vertreten. Darüber will ich gar nicht lamentieren. Ich war noch nie der Staat und mir ist er auch egal.

Dass eine Marke wie Dunhill, die so eng mit der Pfeife verbunden ist, genau damit ein Problem zu haben scheint, dass sie in Verbindung zu ungesunden, geächteten Produkten gebracht wird, hat dann doch den einen oder anderen verwundert. Und doch hat es sich schon länger abgezeichnet, heissen doch viele Rauchprodukte schon lange „The White Spot“ und nicht mehr Dunhill.

One Hundred Years and More

Jeder, der wie ich schon ungläubig in dem Traditionshaus in London stand und sich gewundert hat, dass es dort weder Pfeifen noch Tabak zu kaufen gibt, weiss was ich meine. Dunhill ist nicht mehr Alfred Dunhill und auch nicht Alfred Henry oder Mary Dunhill. Es ist überhaupt kein Familienunternehmen mehr, wie Mary es in ihrem sehr lesenswerten Buch „Our Family Business“ beschrieben hat, sondern eine Marke in irgendeinem Konglomerat an Marken, Konzernen und so weiter. Ich habe schon überhaupt keine Lust diesen Mist zu recherchieren, ich meine mich zu erinnern, dass Montblanc, Karl Lagerfeld, Monsanto, Nestle, RTL, Shell, die Freimaurer, Putin und Berlusconi auch dazugehören. Lauter G’schwerl, wie man in Bayern sagt. (Okay, da waren jetzt ein paar alternative Fakten dabei)

Dunhill Bücher aus der Sammlung des Autors

Dieser Luxus-Konzern versuchte uns unverbesserliche Romantiker, Nostalgiker und naive Schöngeister im alten Geist von Alfred einzulullen. Sie bieten teuere Pfeifen an, tolle (teure) Tabake, wunderschöne Feuerzeuge und so weiter. Wir glauben, wir könnten mit dem Erwerb ein Teil dieser wenn auch nicht „guten, alten“ aber immerhin „kulturvolleren“ Zeit werden. Als noch Gentlemen, Herren im Tweed oder feinsten Savile-Row-Anzügen in den Laden in der Duke Street kamen und ihre eigene Mixture kauften. Hinter dem Tresen blätterte Alfred Dunhill in einem großen goldenen Buch, fand hinter dem Namen des Earl of Irgendwas dessen spezielle Tabakrezptur. Er griff hinter sich ein paar große irdene Gefäße und wog die Mixture Nr. 123 für den Kunden ab.
Wenn ich heute Tabak kaufen gehe, dann greift Jens Meyer hinter sich ins Regal und holt den Huber Louisiana oder den Virginia Ready Rubbed aus dem Regal. Die wurden zwar nicht für mich speziell gemischt, aber wenn ich ehrlich bin, ich hätte auch gar nichts daran zu verbessern. Der Laden im Tal ist wunderschön eingerichtet, auch wir sind entsprechend gekleidet, haben Dunhills im Mundwinkel und der Adel wird ohnehin überbewertet. Kein Toto-Lotto, keine Zigaretten, keine Rundfunkzeitungen stören das Bild. Das Tal ist meine Duke Street.

Pfeifen Huber im Tal

Als mein Freund Roland Hautmann im Blog eben dieses Münchner Tabakonisten schrieb, dass sich Dunhill – also die Lizenzgeber der Marke – aus dem Tabakgeschäft zurückziehen, war ich kurz geschockt. Aber eben nur kurz. Wenn ich genau darüber nachdenke, es ist nicht Georg Huber, der seinen Laden im Tal aufgibt, sondern nur Dunhill, die gibt es in Wirklichkeit schon lange nicht mehr. Huber hat einen sehr netten und kompetenten Sohn, Erben und Nachfolger für sein Geschäft. Jens Meyer wird auch noch nicht so schnell in Rente gehen: Alles ist gut in meiner Tabakwelt! Und wenn ich wirklich einmal die Eitelkeit besitze einen ganz eigenen Tabak für mein Ego zu brauchen, frage ich Hans Wiedemann.

Doch, eine leise Wehmut bleibt und ich sage nicht „Lebewohl“ und auch nicht „Adieu“, sondern eben nur „leise Servus“, wenn ich mich von den Dunhill Tabaken verabschiede. Servus …




Drew Estate | Gatsby Luxury Flake

Drew Estate | Gatsby Luxury Flake - Flatbush Blend - 1833Bevor ich mich an diesen Tabak kaum noch erinnern kann, sollte ich langsam einmal dieses Review fertigstellen, welches schon seit einiger Zeit hier unter den Entwürfen schlummert. Das hat auch seinen Grund, denn dieser Tabak hat leider keinen bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen. Mit diesen Worten ein Tabakreview einzuleiten ist in etwa so geschickt wie einen Kriminalroman mit folgenden Worten zu beginnen: „Der Mörder des Grafen war der Gärtner, seine Festnahme verdankt die Polizei purem Zufall und dessen Geständnis.“ Na, haben Sie noch Lust, den Krimi zu lesen? Ich nicht, aber was soll’s, wenn ich dieses Review, welches Sie, lieber Leser schon lange weggeklickt haben, nicht zu Ende schreibe, muss ich mich von meinen werten Mitbloggern dauernd fragen lassen, wann es denn endlich fertig werde.

Ich habe diesen Tabak eigentlich nur wegen des Namens und der hübschen Dose gekauft. Was das angeht, hat er mich in keiner Weise enttäuscht: Name und Dose sind in der Tat hübsch. „Der große Gatsby“ des Amerikaners F. Scott Fitzgerald (1925) ist ein Roman, den ich schon mehrfach gelesen, hörbuch-gehört und verfilmt im Kino gesehen habe. Aus gutem Grund wird er zur Weltliteratur gezählt. Erzählt wird die Geschichte des eleganten aber mysteriösen Millionärs Jay Gatsby, der in einer dekadent grossen Villa in Long Island wohnt und ausschweifende Partys gibt, wobei er eigentlich nur vereinsamt und neurotisch seiner Jugendliebe nach trauert. Ein schillerndes und tragisch endendes Sittenbild der „Roaring Twenties“ Am Schluss sind (fast) alle bis auf den Erzähler tot. So, dieses Buch habe ihnen jetzt auch noch versaut, indem ich Ihnen alles gleich verraten habe.

Der Tabak ist übrigens nur in den USA erhältlich – Peng! Schon wieder ein Grund hier nicht mehr weiterzulesen.

Die Dose ist nicht nur wegen des fehlenden „Wir werden alle sterben“ Aufklebers hübsch. Zu sehen ist eine altertümlich wirkende sepiafarbene Grafik der Brooklyn Bridge. Der Anbieter ist die junge Firma Drew Estate aus New York, der den meisten bisher nur durch ihre Zigarren bekannt sein dürfte. Der Hersteller ist sicher jemand anderes und mir unbekannt. Der Gatsby Luxury Flake ist Teil einer Reihe von Tabaken von Drew Estate. Aber lesen wir erst einmal die Marketing Prosa:

Drew Estate | Gatsby Luxury Flake – Flatbush Blend – 1833
Purveyors of Fine Tobacco Blends

Sophisticated, but what does that mean?! This smoke is pleasantly sweet and mild with just the right mix of Cavendish and Sweet Virginia tobaccos. Ah, People will think you are some sort of aficionado that is what Sophisticated means…

Drew Estate | Gatsby Luxury Flake - Flatbush Blend - 1833Elegant, Sophisticated und geheimnisvoll. Damit hatte ich gerechnet, wenn ich einen Gatsby rauche. Was habe ich bekommen? Einen liebevoll in die Dose hineingewurschtelten Strangtabak, der durchaus nach brauchbaren Virginias riecht. Etwas süß, etwas heuig. Gut konditioniert, eher trocken, als zu feucht. Der Flake brennt gut, die Pfeife zieht einwandfrei, schmeckt gut, allerdings hätte ich dafür weder meinen Smoking anziehen, noch die Dunhill Silver Spigot aus dem Tresor nehmen müssen. Meine Geschmacksknospen tanzen weder Charlston, noch höre ich Hot Jazz in meinem Schädel. Ich rauche einen durchschnittlich guten Virginia-Flake, den jeder Provinz-Tabak-Kiosk auch als Hausmarke im Angebot hat.

Für den unwahrscheinlichen Fall, dass doch tatsächlich jemand bis hierher gelesen hat, möchte ich ein Fazit ziehen:
Ich bin mal wieder aufs gute Marketing hereingefallen. Statt das eng begrenzte Reisegepäck meines Freundes Thomas – mit dem Ferienhaus in Florida – mit diesem Tabak zu belasten, hätte ich mir lieber noch einen Frog Morton mitbringen lassen sollen. Beispielsweise ein Pfeifen Huber Honey-Dew wäre ein genauso guter Virginia-Strang-Flake und für mich jederzeit ohne Zoll – und Thomas einen Gefallen zu schulden – erreichbar gewesen. Allerdings hätte ich dann Ihnen, liebem letzten und hartnäckigsten Leser keinen langweilige Geschichte erzählen können.

Die Spigot wandert wieder in den Tresor, der Smoking verschwindet wieder im Lavendelduft des Kleiderschrankes und wartet auf einen echten Gatsby-Moment.